Sicherheit

Das Gerät braucht doch nur Internet – warum hängt es dann mit allem anderen zusammen?

Ein neuer Wechselrichter wird installiert und braucht WLAN. Die Kamera an der Garage ebenfalls. Der Saugroboter möchte ins Internet, die Wallbox hat eine App und auch der Fernseher verbindet sich beim ersten Einschalten mit dem Heimnetz.

Also bekommen alle dasselbe WLAN-Passwort.

Das ist der normale Weg und bei vielen Heimroutern auch die einfachste Möglichkeit. Wenige Minuten später funktioniert das Gerät und das Thema ist erledigt.

Dabei entsteht im Hintergrund eine interessante Situation: Ein Gerät, das vielleicht ausschließlich mit einem Dienst seines Herstellers im Internet kommunizieren soll, befindet sich anschließend im gleichen lokalen Netzwerk wie Laptop, NAS, Drucker oder Firmenrechner.

Das wurde meistens nie bewusst entschieden. Es ist einfach die Standardstruktur vieler Heimnetze.

Internetzugang und lokaler Netzwerkzugang sind zwei verschiedene Dinge

Wenn jemand sagt, ein Gerät „braucht WLAN“, ist damit meistens gemeint, dass es ins Internet kommen soll.

Technisch bekommt es aber häufig mehr.

Es verbindet sich mit dem lokalen Heimnetz, erhält dort eine Adresse und befindet sich anschließend gemeinsam mit den übrigen Geräten in derselben Infrastruktur. Abhängig vom Aufbau können sich Teilnehmer innerhalb dieses Netzes gegenseitig erreichen oder zumindest verschiedene lokale Dienste entdecken.

Für einen Laptop ist das durchaus sinnvoll. Er soll vielleicht auf einen Drucker, ein NAS oder andere Geräte im Haus zugreifen.

Bei einem Batteriespeicher sieht die Aufgabe anders aus. Der soll seine Messwerte übertragen und für die vorgesehene Steuerung erreichbar sein. Einen Zugriff auf den privaten Laptop braucht er dafür normalerweise nicht.

Das Gleiche gilt für viele Geräte der Solartechnik, Smart-Home-Komponenten und andere Teilnehmer, deren Hauptaufgabe außerhalb klassischer Computernutzung liegt.

Genau hier entsteht die Frage, ob jedes Gerät mit Internetzugang automatisch in denselben lokalen Bereich gehören muss.

Die gemeinsame Struktur ist meistens historisch gewachsen

In einem kleinen Heimnetz fällt diese Frage kaum auf.

Wenn dort zwei Smartphones, ein Laptop und ein Fernseher verbunden sind, ist ein gemeinsames Netz einfach und übersichtlich. Mit jedem neuen Gerät wird dieselbe Methode weiterverwendet: WLAN auswählen, Kennwort eingeben, fertig.

Nach einigen Jahren sieht die Umgebung völlig anders aus.

Neben Computern befinden sich dort Kameras, Spielekonsolen, Lautsprecher, Drucker, Smart-Home-Zentralen, Saugroboter, Wechselrichter und vielleicht eine Wallbox. Aus wenigen Geräten sind mehrere Dutzend Netzwerkteilnehmer geworden.

Die Struktur selbst hat sich währenddessen möglicherweise überhaupt nicht verändert.

Damit entsteht eine sehr heterogene Umgebung, in der Geräte mit völlig unterschiedlichen Aufgaben und Sicherheitsniveaus technisch eng nebeneinanderliegen.

Das muss nicht automatisch zu einem Problem führen. Es ist aber eine Struktur, die man bewusst bewerten sollte, statt sie einfach als unveränderliche Eigenschaft eines Heimnetzes zu betrachten.

Unterschiedliche Geräte werden völlig unterschiedlich gepflegt

Ein aktueller Laptop erhält regelmäßig Updates und wird aktiv benutzt. Wenn etwas nicht stimmt, fällt das normalerweise schnell auf.

Bei einer Kamera oder einem Smart-Home-Gerät sieht es anders aus. Solche Technik kann viele Jahre unauffällig arbeiten und wird nach der Einrichtung kaum noch administriert.

Genau deshalb spielt die Frage nach Geräten ohne aktuelle Herstellerunterstützung eine Rolle.

Wenn alles im selben lokalen Netz steht, befindet sich ein gut gepflegter Rechner neben Technik, deren Softwarestand vielleicht seit Jahren niemand mehr überprüft hat.

Eine mögliche Verbesserung besteht darin, solche unterschiedlichen Gerätegruppen technisch voneinander zu trennen. Damit wird nicht jedes Risiko beseitigt, aber die Reichweite eines einzelnen problematischen Geräts kann deutlich begrenzt werden.

Dabei geht es nicht darum, für jeden Toaster ein eigenes Netzwerk aufzubauen.

Sinnvoller ist eine Einteilung nach Aufgaben und notwendiger Kommunikation.

Trennung bedeutet nicht, dass Geräte nicht mehr funktionieren dürfen

Bei dem Begriff Netztrennung entsteht schnell die Vorstellung vollständig voneinander abgeschotteter Inseln.

Das wäre für viele Heimnetze unpraktisch.

Ein Smartphone soll vielleicht die Kamera erreichen können. Ein Fernseher benötigt Inhalte aus einem lokalen Medienserver. Eine Kamera muss ihren Rekorder erreichen und ein Drucker soll selbstverständlich weiterhin für die Rechner im Haushalt verfügbar sein.

Deshalb beginnt eine vernünftige Trennung mit der Frage: Wer muss eigentlich mit wem kommunizieren?

Ein Gerät, das ausschließlich einen Cloud-Dienst benötigt, stellt andere Anforderungen als ein Netzwerkdrucker, der bewusst von mehreren Rechnern genutzt wird.

Diese Kommunikationsbeziehungen bestimmen die Struktur.

Der Lösungsansatz besteht deshalb nicht darin, pauschal alles voneinander abzuschneiden, sondern unterschiedliche Gerätegruppen zu bilden und die notwendigen Wege gezielt zuzulassen.

Wie das technisch umgesetzt wird, hängt von der vorhandenen Netzwerkhardware ab. Manche Router bieten dafür bereits einfache Möglichkeiten, bei umfangreicheren Installationen kommen zusätzliche Netzwerkfunktionen ins Spiel.

Die konkrete Konfiguration ist zweitrangig, solange die grundlegende Struktur noch gar nicht verstanden ist.

Besonders deutlich wird das im Homeoffice

Ein Firmenlaptop macht den Unterschied zwischen den Gerätegruppen besonders anschaulich.

Dieser Rechner wird möglicherweise vom Arbeitgeber verwaltet, bekommt regelmäßig Sicherheitsaktualisierungen und baut eine geschützte VPN-Verbindung zum Unternehmen auf. Zu Hause landet er trotzdem häufig in genau demselben lokalen Netz wie Fernseher, Spiele-PC, Kamera und Wechselrichter.

Die VPN-Verbindung schützt den vorgesehenen Weg zum Unternehmen. Sie verändert aber nicht automatisch, welche anderen Geräte sich im privaten Netzwerk befinden.

Damit trifft ein besonders schützenswerter Rechner auf eine Umgebung, die ursprünglich nie mit dem Gedanken an Unternehmensdaten aufgebaut wurde.

Auch hier muss nicht automatisch ein Sicherheitsproblem vorliegen. Es zeigt nur sehr deutlich, warum die Aussage „Alle Geräte brauchen doch einfach Internet“ heute zu kurz greift.

Die Geräte brauchen Internet – aber sie haben sehr unterschiedliche Aufgaben.

Gäste sind ein ähnliches Beispiel

Auch beim Besucher-WLAN wird der Unterschied zwischen Internetzugang und lokalem Netzwerk deutlich.

Ein Gast möchte normalerweise eine Internetverbindung für sein Smartphone. Zugriff auf Drucker, NAS, Kameras oder andere Geräte des Haushalts ist dafür nicht nötig.

Deshalb ist die Trennung von Gästen und eigenem Heimnetz ein anschauliches Beispiel dafür, dass unterschiedliche Zugänge schon lange zum normalen Funktionsumfang vieler Router gehören.

Der gleiche Grundgedanke lässt sich auch auf andere Gerätegruppen übertragen.

Nicht jeder Teilnehmer braucht dieselben Rechte und dieselben Kommunikationsmöglichkeiten.

IP-Kameras zeigen besonders gut, warum das relevant ist

Eine IP-Kamera ist ein gutes Beispiel für diese Überlegung.

Sie braucht je nach Aufbau Zugang zu einem Rekorder, zu einem Herstellerdienst oder zu bestimmten Endgeräten. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie auch jeden privaten Computer, den Netzwerkdrucker oder andere Geräte im Haushalt erreichen muss.

Gerade Kameras werden lange betrieben, sind dauerhaft eingeschaltet und besitzen häufig eine Verbindung nach außen.

Damit lohnt es sich besonders, ihre Aufgabe im Netzwerk klar zu definieren.

Dasselbe Prinzip gilt für viele Geräte der Haustechnik.

Der erste Schritt ist daher nicht die Einrichtung eines neuen Netzes

Bevor irgendetwas getrennt wird, braucht es eine Übersicht.

Welche Geräte sind vorhanden, welche Aufgaben erfüllen sie und welche lokalen Verbindungen werden tatsächlich gebraucht? Muss die Kamera auf einen Rekorder schreiben? Muss das Smartphone einen Lautsprecher erreichen? Welche Geräte benötigen ausschließlich Internet und welche tauschen bewusst Daten innerhalb des Hauses aus?

Aus diesen Beziehungen lassen sich sinnvolle Gruppen ableiten.

Erst danach wird entschieden, wie diese Gruppen mit der vorhandenen Technik umgesetzt werden können.

Das ist deutlich sinnvoller, als bei jedem neuen Gerät einfach dieselben Zugangsdaten einzugeben und Jahre später festzustellen, dass Fernseher, Firmenlaptop, Kamera, Solaranlage und Saugroboter alle im gleichen Netz stehen.

Denn „braucht Internet“ beschreibt nur, wohin ein Gerät kommunizieren muss.

Es beantwortet noch lange nicht die Frage, mit wem es zu Hause sonst noch sprechen können sollte.