Homeoffice
Das Firmen-VPN beginnt erst hinter deinem Heimnetz
Morgens startet der Firmenlaptop, kurz darauf steht die VPN-Verbindung zum Unternehmen. Ab diesem Moment fühlt sich der Arbeitsplatz zu Hause ein Stück weit wie das Büro an.
Die Verbindung zur Firma ist verschlüsselt, der Zugriff auf interne Systeme funktioniert und der Rechner wurde von der Firmen-IT eingerichtet.
Was dabei leicht aus dem Blick gerät: Bevor der Laptop irgendeine Verbindung zum Unternehmen aufbaut, befindet er sich bereits in einem ganz anderen Netzwerk.
Im eigenen Zuhause.
Und dort ist er häufig in ziemlich bunter Gesellschaft.
Der Firmenlaptop kommt nicht direkt im Firmennetz an
Ein VPN baut eine geschützte Verbindung zwischen dem Arbeitsrechner und der Unternehmensinfrastruktur auf. Die Daten zum Unternehmen können dadurch über einen abgesicherten Weg übertragen werden.
Der Firmenlaptop überspringt das heimische Netzwerk dabei aber nicht.
Er verbindet sich zunächst per WLAN oder Netzwerkkabel mit der heimischen FritzBox oder einem anderen Router. Von dort führt der Weg über den privaten Internetanschluss weiter. Erst darauf setzt die VPN-Verbindung auf.
Im selben Heimnetz befinden sich möglicherweise Smartphones, Fernseher, Drucker und Tablets. Dazu kommen inzwischen Geräte, die vor einigen Jahren noch überhaupt nichts mit einem Netzwerk zu tun hatten: Wechselrichter, Batteriespeicher, Wallboxen, Kameras, Türklingeln, Saugroboter oder die Heizungssteuerung.
Und natürlich der Gaming-PC der Kinder.
Aus Sicht des Heimnetzes sind das zunächst einmal alles Teilnehmer desselben technischen Umfelds.
Wie viel sie tatsächlich voneinander sehen oder miteinander kommunizieren können, hängt vom Aufbau und von der Konfiguration des Netzes ab.
Ein moderner Haushalt ist längst kein kleines Netzwerk mehr
Früher bestand ein typisches Heimnetz vielleicht aus einem Computer, einem Drucker und später noch einem Laptop.
Heute sind 20, 30 oder noch mehr verbundene Geräte keine Besonderheit.
Dabei treffen völlig unterschiedliche Welten aufeinander.
Der Firmenlaptop wird zentral gepflegt, erhält Sicherheitsupdates und unterliegt möglicherweise klaren Vorgaben des Arbeitgebers. Daneben steht ein privater Rechner, auf dem Software nach Belieben installiert wird. Der Fernseher bekommt seine Aktualisierungen vom Hersteller, während bei einer sechs Jahre alten WLAN-Steckdose längst niemand mehr weiß, ob dafür überhaupt noch etwas gepflegt wird.
Ein vernetzter Batteriespeicher oder Wechselrichter arbeitet möglicherweise dauerhaft mit einem Cloud-Dienst des Herstellers zusammen. Eine Kamera tut dasselbe mit einem anderen Anbieter. Der Drucker ist seit Jahren in Betrieb und wird eigentlich nur beachtet, wenn er nicht druckt.
Keines dieser Geräte ist allein deshalb ein Problem.
Interessant ist die Mischung.
Denn genau in dieses gemeinsame Netzwerk aus Firmenlaptop, Unterhaltungselektronik und Haustechnik wird der Arbeitsplatz gestellt.
Das VPN beantwortet eine andere Frage
Beim Thema Homeoffice werden zwei Dinge schnell miteinander vermischt.
Die eine Frage lautet: Wie wird die Verbindung zwischen Firmenrechner und Unternehmensnetz geschützt?
Dafür ist das VPN da.
Die andere Frage lautet: In welcher Umgebung befindet sich der Firmenrechner, bevor diese Verbindung überhaupt beginnt?
Darüber sagt das VPN wenig aus.
Deshalb greift der Satz „Ich bin doch per VPN verbunden“ als Beschreibung der gesamten Homeoffice-Situation zu kurz.
Das gilt auch dann, wenn der Laptop selbst hervorragend abgesichert ist. Ein sauber verwaltetes Endgerät bleibt ein sauber verwaltetes Endgerät. Trotzdem lohnt sich der Blick auf die Umgebung, in der es täglich arbeitet.
Dabei geht es nicht darum, das private Zuhause in ein kleines Rechenzentrum zu verwandeln. Entscheidend ist zunächst, überhaupt zu wissen, wie dieses Netz aussieht.
Interessant wird es bei Geräten, über die niemand mehr nachdenkt
Die auffälligen Geräte sind meistens nicht das eigentliche Problem. Beim neuen Laptop oder der aktuellen Spielekonsole weiß jeder, dass sie vorhanden sind.
Spannender sind oft die Dinge, die irgendwann eingerichtet wurden und seitdem einfach laufen.
Der alte Netzwerkdrucker.
Eine Kamera an der Garage.
Der Wechselrichter der Solaranlage.
Eine Smart-Home-Zentrale im Keller.
Ein älterer Repeater, der noch hinter einem Schrank steckt.
Vielleicht ein ausrangierter Router, der irgendwann für einen bestimmten Zweck weiterverwendet wurde.
Mit der Zeit entsteht so ein Heimnetz, das funktioniert, aber niemand mehr vollständig überblickt.
Für den normalen Alltag fällt das häufig nicht auf. Internet funktioniert, Streaming läuft und die Handys kommen ins WLAN.
Durch Homeoffice bekommt dieses Netz allerdings eine zusätzliche Aufgabe. Plötzlich läuft regelmäßig ein Gerät darüber, das Zugang zu Unternehmensdaten und internen Diensten hat.
Damit verändert sich die Bedeutung des privaten Netzwerks, auch wenn zu Hause technisch überhaupt nichts verändert wurde.
Der erste Schritt ist ein Blick auf den tatsächlichen Aufbau
Bei der Betrachtung eines Homeoffice-Netzes beginnt die Arbeit nicht mit einzelnen Einstellungen.
Zuerst geht es um den Ist-Zustand.
Welche Geräte sind vorhanden? Welche davon nutzen WLAN, welche sind per Kabel angeschlossen? Gibt es ein gemeinsames Netz oder bereits getrennte Bereiche? Welche Netzwerkgeräte sind zwischen Arbeitsplatz und Internetanschluss beteiligt?
Danach wird interessant, welche Rolle die einzelnen Geräte spielen und wie aktuell beziehungsweise nachvollziehbar der Aufbau überhaupt noch ist.
Auch die Zuverlässigkeit gehört dazu. Ein Homeoffice-Arbeitsplatz braucht nicht nur eine ausreichend schnelle Verbindung. Kurze WLAN-Aussetzer, ein schlecht angebundener Repeater oder eine instabile Verbindung fallen in einer Videokonferenz deutlich schneller auf als beim normalen Surfen.
So entsteht nach und nach ein Bild davon, in welcher Umgebung der Arbeitsrechner tatsächlich steht.
Die möglichen Ansätze ergeben sich erst daraus. In manchen Heimnetzen spielt eine klarere Trennung unterschiedlicher Geräte eine Rolle, in anderen steht zunächst die Struktur oder die zuverlässige Anbindung des Arbeitsplatzes im Mittelpunkt.
Eine allgemeingültige Einstellung für „sicheres Homeoffice“ gibt es deshalb nicht.
Wo endet eigentlich die Verantwortung des Unternehmens?
Das macht das Thema auch organisatorisch interessant.
Die Firma verwaltet den Laptop. Der Internetanschluss gehört dem Mitarbeiter. Die FritzBox ebenfalls. Irgendwo dazwischen beginnt die Frage nach der Verantwortung für das Netzwerk im Homeoffice.
Bei wenigen gelegentlichen Homeoffice-Tagen mag das kaum auffallen. Wenn Mitarbeiter dauerhaft von zu Hause arbeiten, wird die private Infrastruktur jedoch regelmäßig Teil des Arbeitsalltags.
Dabei muss ein Arbeitgeber nicht jedes private Gerät eines Mitarbeiters kennen.
Trotzdem lohnt sich die Frage, welche Voraussetzungen das Umfeld eines Firmenrechners eigentlich erfüllen soll.
Denn eine erfolgreich aufgebaute VPN-Verbindung beweist vor allem eines:
Der geschützte Weg zur Firma funktioniert.
Was davor im eigenen Zuhause passiert, ist eine andere Geschichte.