Homeoffice
Wer ist eigentlich für das Netzwerk im Homeoffice verantwortlich?
Der Firmenlaptop gehört dem Arbeitgeber, wird von dessen IT verwaltet und verbindet sich über VPN mit dem Unternehmen. Der Router steht dagegen im Wohnzimmer des Mitarbeiters, der Internetanschluss läuft auf dessen Namen und auch die Repeater, Switches oder Netzwerkdosen im Haus sind Privatsache.
Solange alles funktioniert, interessiert diese Grenze kaum jemanden.
Spannend wird sie erst, wenn die Videokonferenz ständig abbricht, das VPN regelmäßig die Verbindung verliert oder ein wichtiger Arbeitstag daran hängt, dass das WLAN im Dachgeschoss zuverlässig funktioniert. Dann stellt sich plötzlich eine Frage, die organisatorisch gar nicht so einfach zu beantworten ist:
Wo endet eigentlich die Verantwortung des Unternehmens und wo beginnt die des Mitarbeiters?
Der Arbeitgeber kontrolliert nur einen Teil des Weges
Beim Firmenrechner ist die Zuständigkeit meistens ziemlich klar. Das Unternehmen entscheidet über Betriebssystem, Sicherheitssoftware, Updates und Zugänge. Bei einem verwalteten Gerät kann die IT viele Dinge zentral kontrollieren und bei Problemen direkt untersuchen.
Ein paar Zentimeter hinter dem Laptop endet dieser Einfluss aber häufig schon.
Die Verbindung läuft über das private WLAN oder eine Netzwerkdose des Mitarbeiters weiter. Danach folgen vielleicht ein Repeater, ein Switch und schließlich der private Router, bevor die Daten überhaupt den Internetanschluss erreichen.
Das Firmen-VPN setzt auf diesem Weg auf. Es schützt die Kommunikation zwischen Arbeitsgerät und Unternehmen, ersetzt aber nicht die Infrastruktur davor.
Damit kann der Firmenrechner technisch perfekt eingerichtet sein und der Arbeitsplatz trotzdem an einer privaten Netzwerkverbindung hängen, die niemals unter denselben Bedingungen geplant oder geprüft wurde wie das Unternehmensnetz.
Der Mitarbeiter ist aber auch kein Firmenadministrator
Die andere Seite ist genauso wichtig.
Wer zu Hause arbeitet, muss nicht automatisch verstehen, wie WLAN, Netzwerkverkabelung oder Router im Detail funktionieren. Das private Netz wurde häufig lange vor dem Homeoffice eingerichtet und sollte ursprünglich vor allem Smartphones, Fernseher und private Rechner ins Internet bringen.
Dann kam irgendwann der Firmenlaptop hinzu.
Aus einer privaten Infrastruktur wurde damit teilweise auch Arbeitsinfrastruktur, ohne dass sich am Aufbau überhaupt etwas geändert hat.
Gerade bei einem nachträglich eingerichteten Homeoffice sieht man das sehr deutlich. Das ehemalige Gästezimmer wird zum Arbeitsplatz, dort funktioniert das WLAN gerade noch ausreichend und damit beginnt der tägliche Betrieb.
Für den Mitarbeiter ist zunächst entscheidend, dass er arbeiten kann. Eine technische Bewertung des gesamten Heimnetzes gehört normalerweise nicht zu seiner beruflichen Aufgabe.
„Internet funktioniert“ reicht im Homeoffice nicht immer
Ein privater Internetanschluss kann für Streaming und normales Surfen vollkommen ausreichend wirken und trotzdem im Arbeitsalltag Schwierigkeiten bereiten.
Videokonferenzen reagieren empfindlicher auf kurze Aussetzer, VPN-Verbindungen sollen dauerhaft stabil bleiben und manche Anwendungen fallen bereits bei kleinen Schwankungen unangenehm auf.
Ein guter Geschwindigkeitstest beweist dabei noch nicht, dass diese Anforderungen erfüllt sind. Mehrere hundert Megabit pro Sekunde helfen wenig, wenn die Verbindung regelmäßig für kurze Momente instabil wird.
Das führt zu einer schwierigen Situation: Der Internetanbieter sieht einen grundsätzlich funktionierenden Anschluss, die Firmen-IT findet am Laptop keinen Fehler und der Mitarbeiter erlebt trotzdem jeden Tag Probleme.
Genau an solchen Stellen wird die Grenze der Zuständigkeiten sichtbar.
Der Fehler liegt möglicherweise zwischen den Bereichen, die beide Seiten jeweils kontrollieren.
Im privaten Netz stehen außerdem völlig andere Geräte
Hinzu kommt, dass ein Homeoffice-Laptop nicht in einer kleinen isolierten Arbeitsumgebung steht.
Im gleichen Heimnetz befinden sich vielleicht Fernseher, Smartphones, Spielekonsolen, Drucker, Kameras, Smart-Home-Geräte, Solartechnik und der Gaming-PC der Kinder.
Diese Geräte werden weder vom Arbeitgeber verwaltet noch nach dessen Sicherheitsvorgaben betrieben. Das wäre im privaten Haushalt auch kaum sinnvoll.
Trotzdem teilen sie sich häufig die gleiche Infrastruktur.
Damit wird das Thema Homeoffice nicht nur zu einer Frage der Bandbreite. Auch die Struktur des privaten Netzes bekommt eine Bedeutung, die sie vor regelmäßiger Arbeit von zu Hause vielleicht nie hatte.
Eine mögliche Richtung besteht darin, unterschiedliche Nutzungsbereiche im Heimnetz stärker voneinander zu trennen. Wie weit das erforderlich und technisch sinnvoll ist, hängt allerdings stark vom jeweiligen Haushalt ab.
Der Arbeitgeber kann dabei Anforderungen formulieren. Die konkrete private Infrastruktur gehört trotzdem dem Mitarbeiter.
Wer darf überhaupt Veränderungen verlangen?
Genau hier wird es organisatorisch interessant.
Ein Unternehmen kann sinnvollerweise festlegen, welche Anforderungen ein Arbeitsplatz erfüllen soll. Dazu gehören beispielsweise eine zuverlässige Internetverbindung, ein abgesicherter Firmenrechner oder die Nutzung eines vorgegebenen VPN-Zugangs.
Etwas anderes wäre es, dem Mitarbeiter detailliert vorzuschreiben, wie sein privates Heimnetz aufgebaut sein muss oder welche privaten Geräte er dort verwenden darf.
Damit greift man in eine Infrastruktur ein, die nicht dem Unternehmen gehört.
Zwischen beiden Extremen liegt ein sinnvoller Mittelweg: klare Mindestanforderungen für den Arbeitsplatz, verständliche Hinweise auf typische Probleme und eine Möglichkeit, bei technischen Schwierigkeiten sauber zu unterscheiden, ob der Firmenrechner, der Internetanschluss oder das Heimnetz betroffen ist.
Gerade diese Eingrenzung fehlt häufig.
Ein Heimnetzwerk-Check kann die Grenze sichtbar machen
Wenn ein Homeoffice-Arbeitsplatz regelmäßig Schwierigkeiten hat, beginnt die Untersuchung deshalb nicht mit der Frage nach Schuld oder Zuständigkeit.
Zuerst muss klar sein, wo das Problem entsteht.
Funktioniert der Laptop an einer anderen Stelle im Haus zuverlässig? Sind mehrere Geräte im Arbeitszimmer betroffen? Gibt es dort einen Repeater? Tritt das Verhalten nur über WLAN auf oder auch an einer kabelgebundenen Verbindung? Wie verhält sich der Internetanschluss insgesamt?
Solche Beobachtungen trennen die einzelnen Bereiche voneinander.
Erst danach lässt sich vernünftig beurteilen, ob die Firmen-IT überhaupt tätig werden kann oder ob das Problem innerhalb der privaten Infrastruktur liegt.
Dabei geht es nicht darum, aus jedem Heimarbeitsplatz ein kleines Firmennetz zu machen. Entscheidend ist, dass der Arbeitsplatz zuverlässig genug für seine Aufgabe funktioniert und die vorhandene Struktur nachvollziehbar ist.
Auch Unternehmen sollten das Thema zumindest kennen
Besonders für kleinere Unternehmen ist es verlockend, Homeoffice sehr pragmatisch zu behandeln: Laptop mitgeben, VPN einrichten, fertig.
Das funktioniert häufig auch problemlos.
Wenn mehrere Mitarbeiter regelmäßig von zu Hause arbeiten, entsteht allerdings eine ganze Reihe von Arbeitsplätzen, deren Netzwerkumgebung das Unternehmen praktisch nicht kennt.
Die Firma muss deshalb nicht beginnen, private Router zu administrieren. Sinnvoll ist aber zumindest ein Bewusstsein dafür, dass die technische Strecke nicht am Firmenlaptop endet.
Wenn ein Mitarbeiter täglich mit Kunden spricht, große Dateien überträgt oder auf zentrale Systeme zugreift, gehört eine zuverlässig funktionierende Verbindung faktisch zum Arbeitsplatz dazu.
Wie diese Verbindung hergestellt wird, bleibt trotzdem teilweise Privatsache.
Die Verantwortung lässt sich deshalb nicht an einem Gerät festmachen
Der Arbeitgeber ist für seine Systeme und den Firmenrechner verantwortlich. Der Mitarbeiter kontrolliert seinen privaten Anschluss und das Heimnetz. Der Internetanbieter wiederum betreibt die Verbindung außerhalb des Hauses.
Ein Homeoffice-Arbeitsplatz liegt genau zwischen diesen Bereichen.
Deshalb bringt die einfache Aussage „Bei uns funktioniert alles“ auf beiden Seiten wenig. Die Firmen-IT kann damit den Laptop meinen, während der Mitarbeiter über das WLAN spricht und der Anbieter ausschließlich seinen Anschluss betrachtet.
Der erste sinnvolle Schritt bei Problemen ist, diese Bereiche voneinander zu trennen und herauszufinden, auf welchem Abschnitt die Verbindung tatsächlich auffällig wird.
Erst dann wird aus der Frage „Wer ist zuständig?“ eine Frage, die sich überhaupt sinnvoll beantworten lässt.
Denn im Homeoffice gehört der Arbeitsplatz zwar zur Firma.
Das Netzwerk drumherum tut es meistens nicht.