Homeoffice
Was hat der Gaming-PC der Kinder mit dem Firmenlaptop zu tun?
Auf dem Firmenlaptop läuft aktuelle Sicherheitssoftware, Updates werden zentral verwaltet und für die Verbindung ins Unternehmen gibt es ein VPN.
Im Zimmer nebenan steht der Gaming-PC des Kindes.
Dort werden Spiele installiert, Erweiterungen ausprobiert, Programme aus dem Internet geladen und vielleicht auch einmal Dinge getestet, von denen die Eltern überhaupt nichts wissen.
Was haben diese beiden Rechner miteinander zu tun?
Mehr, als man im ersten Moment denkt: Sie stehen häufig im selben Heimnetz.
Zu Hause treffen Welten aufeinander, die im Unternehmen getrennt wären
In einem Unternehmensnetz würde niemand einen beliebigen privaten Spiele-PC einfach zwischen Firmenrechner, Server und andere geschäftliche Systeme stellen.
Zu Hause passiert genau diese Mischung dagegen ganz selbstverständlich.
Der Firmenlaptop verbindet sich morgens mit dem WLAN. Daneben hängen Smartphones, Tablets, Fernseher und Spielekonsolen. Der Drucker steht seit sechs Jahren im Arbeitszimmer. Im Keller kommuniziert die Heizungssteuerung mit dem Internet und auf dem Dach beziehungsweise im Technikraum arbeitet inzwischen vielleicht noch eine Solaranlage mit Wechselrichter und Batteriespeicher.
Dazu kommen Kameras, Sprachassistenten, Steckdosen, Wallbox und all die kleinen Geräte, die im Laufe der Jahre Einzug gehalten haben.
So entsteht ein gemeinsames Netzwerk aus Firmenlaptop, Unterhaltungselektronik und Haustechnik.
Die einzelnen Geräte haben dabei völlig unterschiedliche Aufgaben, Hersteller und Sicherheitsniveaus.
Der Firmenrechner bleibt trotzdem Teil des Heimnetzes
Das Firmen-VPN ändert an dieser Ausgangslage zunächst nichts.
Es schafft einen geschützten Weg zum Unternehmen. Der Laptop muss aber vorher ganz normal über das Heimnetz zum Internet gelangen.
Damit steht ein sehr professionell verwaltetes Arbeitsgerät in einem Netzwerk, dessen übrige Teilnehmer der Arbeitgeber meistens überhaupt nicht kennt.
Der Gaming-PC ist dafür ein besonders anschauliches Beispiel.
Nicht weil Gaming-PCs grundsätzlich unsicher sind. Sondern weil sie anders genutzt werden.
Ein Firmenrechner folgt normalerweise festen Vorgaben. Auf einem privaten Rechner entscheidet dagegen der Besitzer selbst, was installiert wird. Dazu gehören Spiele, Kommunikationsprogramme, Treiber, Mods, Zusatzprogramme oder Anwendungen, die irgendwann ausprobiert und anschließend vergessen werden.
Bei Kindern und Jugendlichen kommen zusätzlich ständig neue Geräte hinzu. Eine Konsole wird ersetzt, Freunde bringen ihre Geräte mit, eine VR-Brille kommt ins Haus oder ein älterer Rechner wird weiterverwendet.
Das Familiennetz verändert sich damit laufend.
„Ist doch alles meins“ ist technisch keine Trennung
Im privaten Haushalt wirkt ein gemeinsames Netzwerk zunächst völlig logisch.
Warum sollte der Fernseher nicht im selben WLAN sein wie der Laptop?
Für die meisten Geräte steht schließlich nur die Frage im Vordergrund, ob sie ins Internet kommen.
Damit wird aber leicht übersehen, dass ein Heimnetz mehr ist als eine gemeinsame Leitung zum Internet.
Geräte befinden sich in einer gemeinsamen lokalen Infrastruktur. Welche Verbindungen zwischen ihnen tatsächlich möglich sind, hängt vom Aufbau des Netzes und von den beteiligten Geräten ab.
Genau deshalb ist „Es ist doch nur mein Heimnetz“ inzwischen eine andere Aussage als noch vor fünfzehn Jahren.
Damals hingen dort vielleicht zwei Computer und ein Drucker.
Heute kommen ständig Geräte hinzu, die dauerhaft eingeschaltet sind und eigenständig mit lokalen Diensten oder Servern im Internet kommunizieren.
Der Firmenlaptop wird dabei zu einem weiteren Teilnehmer in diesem Umfeld.
Besonders interessant sind nicht immer die offensichtlichen Geräte
Beim Gaming-PC weiß man wenigstens, dass er existiert.
Viel leichter geraten andere Geräte aus dem Blick.
Der Drucker wurde vor Jahren angeschlossen und seitdem kaum beachtet. Die Überwachungskamera funktioniert einfach. Die Solaranlage wurde vom Installateur eingerichtet und steht danach nicht mehr auf der gedanklichen Liste der Netzwerkgeräte.
Genau hier wächst das Heimnetz im Hintergrund.
Bei einer Bestandsaufnahme ist deshalb nicht nur interessant, welche Computer vorhanden sind. Auch die Geräte rundherum gehören dazu.
Was hängt überhaupt am Netz?
Welche Technik ist noch aktiv?
Welche Komponenten wurden irgendwann ergänzt?
Was davon wird noch gepflegt und was läuft seit Jahren unverändert?
Allein diese Übersicht verändert oft schon das Verständnis davon, was „mein WLAN zu Hause“ eigentlich umfasst.
Homeoffice macht das private Netz wichtiger
Ein privates Heimnetz muss nicht denselben Regeln folgen wie ein Firmennetz.
Mit regelmäßigem Homeoffice bekommt es aber eine Aufgabe hinzu, für die es ursprünglich oft nie geplant wurde.
Plötzlich laufen vertrauliche Gespräche darüber. Der Firmenrechner greift auf Geschäftsdaten zu, interne Anwendungen werden benutzt und der Arbeitstag hängt davon ab, dass die Verbindung zuverlässig funktioniert.
Parallel läuft der normale Familienalltag weiter.
Ein Kind lädt ein neues Spiel herunter, der Fernseher streamt einen Film und irgendwo beginnt automatisch eine Cloud-Sicherung.
Das muss nicht zwangsläufig zu Problemen führen. Es zeigt aber, wie viele unterschiedliche Anforderungen inzwischen auf derselben Infrastruktur zusammentreffen.
Neben Sicherheit geht es deshalb auch um Zuverlässigkeit und Übersicht.
Der erste Schritt ist keine neue Einstellung
Bei einem Homeoffice-Netz steht am Anfang die Bestandsaufnahme.
Welche Geräte teilen sich die Infrastruktur?
Wie gelangt der Firmenlaptop ins Netz?
Welche weiteren Netzwerkgeräte befinden sich zwischen Arbeitsplatz und Router?
Gibt es bereits getrennte Bereiche oder befindet sich tatsächlich alles im selben Netz?
Erst danach lässt sich beurteilen, wo überhaupt Handlungsbedarf besteht.
Eine mögliche Richtung besteht darin, Geräte mit sehr unterschiedlichen Aufgaben nicht überall völlig gleich zu behandeln. Wie weit eine solche Trennung sinnvoll ist, hängt aber stark vom vorhandenen Aufbau und den eingesetzten Geräten ab.
Das ist nichts, was sich mit einem einzelnen Häkchen pauschal für jedes Zuhause beantworten lässt.
Bei manchen Haushalten steht zunächst eine ganz andere Frage im Vordergrund: Ist das Netzwerk überhaupt nachvollziehbar aufgebaut und funktioniert der Arbeitsplatz zuverlässig?
Wer ist dafür eigentlich zuständig?
Am Ende bleibt noch eine organisatorische Besonderheit.
Der Laptop gehört dem Arbeitgeber.
Der Router gehört dem Mitarbeiter.
Die privaten Geräte gehören der Familie.
Die Internetleitung wird ebenfalls privat bezahlt.
Damit entsteht automatisch die Frage nach der Verantwortung im Homeoffice.
Das Unternehmen kann den Firmenrechner hervorragend verwalten. Auf den Spiele-PC der Kinder hat es aus gutem Grund keinen Zugriff.
Trotzdem treffen beide Geräte zu Hause in derselben technischen Umgebung aufeinander.
Genau das macht das Thema so interessant.
Der Gaming-PC der Kinder muss überhaupt nichts mit der täglichen Arbeit der Eltern zu tun haben.
Im Heimnetz liegen beide Welten trotzdem näher beieinander, als es auf dem Schreibtisch aussieht.