LAN & Verkabelung

In jedem Zimmer ist eine Netzwerkdose – aber funktioniert die eigentlich richtig?

Eine Netzwerkdose in jedem Zimmer sieht erst einmal nach einer hervorragenden Ausgangslage aus. Gerade beim Hauskauf oder in einem älteren Neubau entsteht schnell der Eindruck, dass das Thema LAN damit bereits erledigt ist. Schließlich liegen die Kabel in der Wand und an den richtigen Stellen gibt es passende Anschlüsse.

In der Praxis beantwortet die sichtbare Dose allerdings nur eine sehr kleine Frage: Jemand hat irgendwann eine Netzwerkleitung bis zu diesem Punkt vorgesehen.

Was hinter der Wand passiert, wohin die Leitung führt und in welchem Zustand die gesamte Strecke ist, sieht man ihr nicht an.

Eine Dose ist nur das sichtbare Ende einer längeren Strecke

Zwischen der Netzwerkdose im Arbeitszimmer und dem zentralen Punkt im Haus liegt eine komplette Kabelverbindung. Sie führt durch Wände oder Leerrohre, endet möglicherweise auf einem Patchfeld und wird von dort mit einem Switch oder einem anderen Netzwerkgerät verbunden.

Jeder dieser Abschnitte gehört zur Verbindung.

Wenn die Dose sauber montiert aussieht, sagt das deshalb noch wenig darüber aus, ob die gesamte Strecke zuverlässig arbeitet. Schon beim Unterschied zwischen einem WLAN- und einem Kabelproblem zeigt sich, dass Fehlerbilder von außen erstaunlich ähnlich wirken können.

Ein Access Point kann beispielsweise selbst hervorragendes WLAN anbieten, während seine kabelgebundene Verbindung zum restlichen Netz auffällig arbeitet. Für das Smartphone fühlt sich das trotzdem wie ein WLAN-Problem an.

Bei einer LAN-Verbindung ist deshalb immer die komplette Strecke interessant, nicht nur die sichtbare Dose.

Besonders spannend wird es, wenn niemand weiß, wo die Kabel enden

In neu geplanten Installationen laufen die Netzwerkleitungen meistens an einem zentralen Punkt zusammen und sind im besten Fall eindeutig beschriftet.

Bei Häusern, deren Verkabelung über Jahre ergänzt wurde, ist das nicht immer so.

Eine Dose im Schlafzimmer führt vielleicht in einen kleinen Verteiler im Keller, eine andere endet an einer ganz anderen Stelle. Hinter einem Schrank steckt ein Switch und eine weitere Leitung wurde irgendwann verlängert, weil beim Umbau eine zusätzliche Verbindung gebraucht wurde.

Solange alles funktioniert, gibt es wenig Grund, diesen Aufbau zu hinterfragen.

Sobald eine Dose gebraucht wird oder ein Fehler auftritt, beginnt die Suche.

Das sieht man besonders häufig bei einem Hauskauf mit bereits vorhandener Netzwerktechnik. Der neue Besitzer übernimmt Dosen, Leitungen und Verteiler, aber selten eine vollständige Erklärung dazu, wie alles miteinander verbunden ist.

Eine vorhandene Dose ist dann durchaus wertvoll. Zuerst muss nur geklärt werden, wohin sie tatsächlich führt.

„Kabel ist Kabel“ greift zu kurz

Netzwerkleitungen sehen von außen häufig sehr ähnlich aus, wurden aber möglicherweise zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichen Anforderungen installiert.

Auch die Anschlüsse an beiden Enden spielen eine Rolle. Eine grundsätzlich geeignete Leitung kann ihre Möglichkeiten nur dann nutzen, wenn die gesamte Strecke sauber aufgebaut ist.

Deshalb sagt die Aussage „Da liegt doch ein Netzwerkkabel“ noch nicht automatisch, welche Verbindung darüber zuverlässig möglich ist.

Genau darum geht es auch bei der Frage warum ein Kabel nicht automatisch Gigabit bedeutet. Nicht die Aufschrift eines einzelnen Bestandteils entscheidet über die fertige Strecke, sondern das Zusammenspiel der gesamten Installation.

Bei einer Bestandsaufnahme geht es deshalb zunächst darum, vorhandene Leitungen und ihre Endpunkte zu erfassen und anschließend zu prüfen, wie sie sich tatsächlich verhalten.

Das ist deutlich aussagekräftiger als eine Vermutung anhand des Alters des Hauses oder der sichtbaren Netzwerkdose.

Ein LAN-Problem fällt oft weniger eindeutig auf als ein kompletter Ausfall

Wenn eine Netzwerkdose überhaupt nicht funktioniert, ist das Problem wenigstens offensichtlich. Schwieriger sind Verbindungen, die grundsätzlich laufen, aber nicht so zuverlässig oder schnell wie erwartet.

Ein Gerät kommt ins Netz, erreicht das Internet und funktioniert im Alltag meistens. Erst bei größeren Datenmengen, Videokonferenzen oder der Nutzung eines Access Points zeigen sich Auffälligkeiten.

Dann wird schnell an Router, Internetanschluss oder WLAN gedacht, obwohl die kabelgebundene Strecke Teil des Problems sein kann.

Gerade in einem gemischten Heimnetz aus LAN und WLAN beeinflussen sich beide Bereiche gegenseitig. Ein WLAN-Zugangspunkt, der per Kabel angebunden ist, kann nur so gut weiterarbeiten, wie seine Verbindung zum restlichen Netz es zulässt.

Deshalb schaue ich bei Heimnetzwerk-Problemen nicht nur auf das WLAN, selbst wenn der Benutzer den Fehler dort bemerkt.

LAN und WLAN sind keine zwei getrennten Welten. Sie gehören zum selben Übertragungsweg.

Unbeschriftete Leitungen machen spätere Änderungen unnötig schwierig

Ein weiterer Klassiker ist der zentrale Verteiler mit vielen Kabeln, aber wenig Information.

Auf der einen Seite stehen die Netzwerkdosen in den Zimmern, auf der anderen kommen im Technikraum mehrere Leitungen an. Wenn dort keine eindeutige Zuordnung vorhanden ist, wird jede spätere Änderung komplizierter als nötig.

Welche Leitung führt ins Arbeitszimmer? Welche zur Dose hinter dem Fernseher? Was endet im Dachgeschoss und welches Kabel gehört zur Garage?

Solange alles angeschlossen bleibt, muss niemand diese Fragen beantworten.

Spätestens wenn ein Switch ersetzt, ein Access Point ergänzt oder ein Raum anders genutzt wird, wird die fehlende Übersicht sichtbar.

Darum gehört bei einer Bestandsaufnahme nicht nur die technische Funktion zur Betrachtung. Ebenso wichtig ist, ob die Infrastruktur nachvollziehbar ist.

Eine gute Verkabelung sollte später nicht nur Daten übertragen, sondern auch noch verständlich sein.

Bei Sanierung und Neubau lässt sich vieles früh berücksichtigen

Wenn ohnehin gebaut wird, ist der richtige Zeitpunkt für diese Überlegungen besonders günstig.

Bei der Netzwerkplanung während einer Sanierung können vorhandene Leitungen zunächst bewertet und anschließend gezielt ergänzt werden. Im Neubau besteht noch mehr Freiheit, weil Leitungswege, zentrale Punkte und mögliche spätere Nutzungen von Anfang an mitgedacht werden können.

Dabei geht es nicht darum, möglichst viele Netzwerkdosen zu installieren.

Entscheidend ist, dass die Leitungen dort verfügbar sind, wo sie sinnvoll gebraucht werden, vernünftig zusammenlaufen und später noch nachvollziehbar bleiben.

Eine sauber geplante Dose im richtigen Bereich ist wertvoller als mehrere Anschlüsse, deren Leitungswege nach ein paar Jahren niemand mehr versteht.

Der erste Schritt ist deshalb nicht das Neuverkabeln

Wenn in einem Haus bereits Netzwerkdosen vorhanden sind, ist das grundsätzlich eine gute Ausgangslage.

Bevor neue Kabel gezogen oder bestehende Installationen ersetzt werden, lohnt sich zuerst ein vollständiger Blick auf das Vorhandene. Welche Dosen funktionieren, wo enden ihre Leitungen, wie sind sie verbunden und welche Strecken erfüllen bereits zuverlässig ihre Aufgabe?

Danach wird klarer, welche Teile weiter genutzt werden können und wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.

Gerade bei älteren Häusern kann die vorhandene Verkabelung deutlich besser sein als zunächst vermutet. In anderen Fällen sieht alles sauber aus, während sich hinter der Wand über Jahre eine Struktur entwickelt hat, die zunächst nachvollzogen werden muss.

Die Netzwerkdose selbst verrät darüber wenig.

Sie ist nur das sichtbare Ende einer Verbindung, deren interessanter Teil größtenteils dort liegt, wo man ihn im Alltag überhaupt nicht sieht.