LAN & Verkabelung

Warum ein Netzwerkkabel nicht automatisch „Gigabit“ bedeutet

In der Wand liegt ein Netzwerkkabel, der Computer ist darüber verbunden und das Internet funktioniert. Damit scheint die Sache eindeutig: Kabel ist schließlich Kabel, und über eine feste Verbindung sollte Gigabit heute selbstverständlich sein.

In vielen Installationen stimmt das auch.

Trotzdem gibt es Häuser, in denen eine Netzwerkverbindung zuverlässig arbeitet und dennoch deutlich weniger leistet als erwartet. Besonders auffällig wird das nach einem schnelleren Internetanschluss, beim Kopieren großer Dateien oder wenn ein neuer Access Point an eine vorhandene Leitung angeschlossen wird.

Dann stellt sich plötzlich die Frage, warum ausgerechnet das Kabel zum langsameren Teil der Verbindung geworden ist.

Die Antwort steckt selten nur im eigentlichen Kabel. Entscheidend ist die gesamte Strecke zwischen den beiden Geräten.

Eine Netzwerkverbindung besteht aus mehreren Teilen

Wenn im Arbeitszimmer eine Netzwerkdose sitzt und im Keller ein Switch steht, liegt dazwischen mehr als nur ein Stück Leitung.

Das Kabel endet auf beiden Seiten an Anschlüssen. Vielleicht gibt es ein Patchfeld, kurze Patchkabel und weitere Netzwerkgeräte auf dem Weg. Jeder dieser Bestandteile gehört zur fertigen Verbindung.

Eine sichtbare Netzwerkdose sagt deshalb zunächst nur, dass dort eine Leitung vorgesehen wurde. Welche Eigenschaften die komplette Strecke tatsächlich hat, lässt sich von außen nicht zuverlässig erkennen.

Das ist besonders bei älteren oder nachträglich erweiterten Installationen interessant. Eine Leitung kann vollkommen ordentlich aussehen und seit Jahren funktionieren, obwohl einzelne Bestandteile nicht mehr zu den Anforderungen passen, die heute an sie gestellt werden.

„Es funktioniert“ und „es nutzt die erwartete Verbindungsgeschwindigkeit“ sind zwei unterschiedliche Aussagen.

Auch eine teilweise funktionierende Verbindung ist möglich

Bei einem Kabelproblem denken viele zuerst an einen vollständigen Ausfall. Das Gerät bekommt keine Verbindung, also muss etwas mit der Leitung nicht stimmen.

Netzwerkverbindungen können sich aber weniger eindeutig verhalten.

Eine Strecke kann grundsätzlich Daten übertragen und trotzdem nicht mit der Geschwindigkeit arbeiten, die man erwartet. Das macht die Situation schwerer zu erkennen, weil Internetzugang vorhanden ist und normale Webseiten problemlos funktionieren.

Wenn der Internetanschluss selbst lange langsamer war als die interne Verbindung, bleibt dieser Unterschied möglicherweise jahrelang unbemerkt.

Erst mit einem schnelleren Tarif oder bei großen Übertragungen innerhalb des Hauses fällt auf, dass irgendwo eine Grenze existiert.

Das ist auch ein Grund, warum ein Geschwindigkeitstest erst durch den Messort wirklich aussagekräftig wird. Ein guter Wert direkt am Router und ein deutlich niedrigerer Wert an einer Netzwerkdose beschreiben zwei unterschiedliche Strecken.

Die Beschriftung des Kabels erzählt nicht die ganze Geschichte

Auf Netzwerkkabeln stehen häufig Kategorien und andere technische Angaben. Diese Informationen sind wichtig, reichen aber nicht aus, um die fertige Verbindung zu beurteilen.

Denn selbst eine grundsätzlich geeignete Leitung kann nur so gut arbeiten wie ihre gesamte Installation.

Anschlüsse, Übergänge und die Art der Verlegung gehören ebenfalls dazu. Wurde eine Strecke irgendwann verändert oder verlängert, kann das zusätzliche Einflüsse mitbringen. Auch eine beschädigte Leitung muss nicht zwangsläufig vollständig ausfallen.

Deshalb bringt es wenig, ausschließlich auf die Aufschrift eines sichtbaren Kabelstücks zu schauen und daraus die Eigenschaften der gesamten Hausverkabelung abzuleiten.

Bei einer Bestandsaufnahme zählt die tatsächlich aufgebaute Strecke.

Das gilt besonders bei einem Haus mit übernommener Netzwerkinfrastruktur, bei dem weder Alter noch ursprüngliche Planung vollständig bekannt sind.

Langsame LAN-Verbindungen können wie andere Netzwerkprobleme aussehen

Eine kabelgebundene Verbindung bekommt oft einen Vertrauensvorschuss. Sobald ein Gerät per LAN angeschlossen ist, gilt das Netzwerk an dieser Stelle gedanklich als erledigt.

Dadurch wird bei Problemen schnell an anderen Stellen gesucht.

Ein Access Point hängt beispielsweise per Kabel im Obergeschoss und bietet dort WLAN an. Ist seine kabelgebundene Anbindung auffällig, bemerken die Nutzer die Auswirkungen trotzdem auf ihren Smartphones und Laptops.

Aus ihrer Sicht ist das WLAN langsam.

Technisch liegt die Grenze aber vielleicht auf dem Abschnitt hinter dem Funk.

Genau deshalb können sich WLAN- und Kabelprobleme von außen sehr ähnlich anfühlen. LAN und WLAN laufen im Heimnetz nicht unabhängig nebeneinander, sondern bilden gemeinsam die Verbindung vom Endgerät bis zum Router und darüber hinaus.

Eine vernünftige Fehlersuche betrachtet deshalb beide Bereiche zusammen.

Gerade neue Technik kann alte Grenzen erstmals sichtbar machen

Eine ältere Netzwerkverkabelung kann jahrelang völlig ausreichend gewesen sein.

Wenn der Internetanschluss 50 oder 100 Mbit/s geliefert hat, fiel eine interne Strecke mit begrenzter Leistung möglicherweise überhaupt nicht negativ auf. Die schnellere Verbindung war schlicht nicht notwendig.

Mit Glasfaser oder neuer Netzwerktechnik ändern sich diese Voraussetzungen.

Auch moderne WLAN-Zugangspunkte können intern deutlich höhere Datenraten übertragen als ältere Geräte. Werden sie anschließend an eine bestehende Kabelstrecke angeschlossen, kann plötzlich die feste Verbindung zum langsameren Abschnitt werden.

Das bedeutet nicht, dass bei jedem Technikwechsel sämtliche Kabel erneuert werden sollten. Im Gegenteil: Viele vorhandene Installationen lassen sich problemlos weiter nutzen.

Der erste Schritt ist deshalb die Prüfung dessen, was tatsächlich vorhanden ist und welche Leistung die bestehenden Strecken zuverlässig erreichen. Erst danach lässt sich entscheiden, ob überhaupt Handlungsbedarf besteht.

Bei Sanierung und Neubau zählt deshalb die gesamte Infrastruktur

Gerade wenn Wände ohnehin offen sind, sollte Netzwerkverkabelung nicht auf die Frage reduziert werden, ob irgendwo ein Kabel liegt.

Bei der Netzwerkplanung während einer Sanierung geht es ebenso um sinnvolle Leitungswege, zentrale Anschlusspunkte und eine Installation, die später nachvollziehbar bleibt. Im Neubau lässt sich das noch freier planen, weil die baulichen Möglichkeiten größer sind.

Dabei muss niemand versuchen, jede denkbare technische Entwicklung der nächsten zwanzig Jahre vorherzusagen.

Sinnvoller ist eine saubere Infrastruktur mit vernünftig ausgeführten Strecken, ausreichenden Reserven und einer Dokumentation, aus der später noch hervorgeht, welche Leitung wohin führt.

Die aktiven Geräte werden im Laufe der Jahre ohnehin mehrfach ausgetauscht. Eine Leitung hinter einer fertigen Wand bleibt dagegen deutlich länger.

Der erste Schritt ist messen, nicht vermuten

Wenn eine kabelgebundene Verbindung langsamer arbeitet als erwartet, bringt die reine Vermutung anhand von Alter, Kabelfarbe oder Beschriftung wenig.

Zuerst muss klar sein, welche Strecke betroffen ist und welche Geräte daran beteiligt sind. Danach lässt sich die Verbindung gezielt betrachten und mit anderen Strecken im Haus vergleichen.

So wird sichtbar, ob die Grenze tatsächlich in der Verkabelung liegt oder an einer anderen Stelle entsteht.

Manchmal bestätigt sich, dass eine ältere Installation weiterhin vollkommen ausreicht. In anderen Fällen zeigt die Prüfung, dass ein bestimmter Abschnitt die Möglichkeiten der übrigen Technik begrenzt.

Ein Netzwerkkabel in der Wand ist deshalb eine sehr gute Grundlage.

Welche Verbindung darüber tatsächlich möglich ist, entscheidet aber nicht allein die Tatsache, dass dort ein Kabel liegt.