WLAN

Volles WLAN, aber trotzdem kein vernünftiges Internet – wie kann das sein?

Du sitzt auf dem Sofa, das Handy zeigt vollen WLAN-Empfang und trotzdem braucht die Webseite ungewöhnlich lange. Im Arbeitszimmer friert das Bild während einer Videokonferenz kurz ein, während der Fernseher im Wohnzimmer scheinbar problemlos einen Film streamt.

Die WLAN-Anzeige sieht dabei völlig unauffällig aus. Alle Balken sind da.

Das passt besser zusammen, als es auf den ersten Blick scheint. Die Balken beantworten nämlich nur einen kleinen Teil der Frage, die dich eigentlich interessiert.

Die WLAN-Anzeige sieht nur bis zur nächsten Station

Das Handy zeigt vor allem, wie gut es den WLAN-Zugangspunkt in seiner Nähe erreicht. Das kann die FritzBox sein, ein Access Point oder einer von mehreren Repeatern im Haus.

Liegt das Handy zwei Meter neben einem Repeater, ist diese Funkverbindung wahrscheinlich hervorragend. Entsprechend sieht auch die Anzeige aus.

Die Daten sind an dieser Stelle aber noch lange nicht am Ziel. Sie müssen vom Repeater weiter durch das Heimnetz, schließlich zum Router und von dort über den Internetanschluss nach draußen. Die Antworten nehmen anschließend denselben Weg zurück.

Ein gutes Signal auf dem ersten Stück sagt deshalb wenig darüber aus, wie der komplette Weg aussieht.

Das fällt besonders in Heimnetzen auf, die über Jahre gewachsen sind. Zuerst gab es nur den Router. Später kam ein Repeater für das Obergeschoss dazu. Irgendwann wurde ein weiterer Bereich des Hauses versorgt, hinter dem Fernseher hängt inzwischen ein kleiner Switch und im Keller arbeitet vielleicht noch Technik, an die im Alltag niemand denkt.

Das muss überhaupt kein schlechter Aufbau sein. Bei einem Fehler reicht der Blick auf die WLAN-Balken aber nicht mehr aus, um zu verstehen, wo die Verbindung ihre Qualität verliert.

Ein Geschwindigkeitstest misst ebenfalls nur einen Ausschnitt

Ähnlich verhält es sich mit dem Geschwindigkeitstest.

500 Mbit/s auf dem Display sehen überzeugend aus. Trotzdem ruckelt das Gespräch über Teams oder die Verbindung reagiert zwischendurch für ein paar Sekunden überhaupt nicht.

Ein Streaming-Dienst kommt mit kleineren Schwankungen oft erstaunlich gut zurecht. Er lädt Daten im Voraus und legt einen Puffer an. Eine Videokonferenz hat diesen Luxus kaum. Sprache und Bild müssen in diesem Moment übertragen werden. Kurze Aussetzer fallen deshalb sofort auf.

Auch beim Spielen spielen andere Eigenschaften der Verbindung eine Rolle als beim Herunterladen einer großen Datei.

Deshalb ist „Wie schnell ist mein Internet?“ nur eine von mehreren Fragen. Im Alltag ist mindestens genauso wichtig, ob die Verbindung zuverlässig und gleichmäßig arbeitet.

Ein einzelner guter Messwert beweist lediglich, dass zu diesem Zeitpunkt unter diesen Bedingungen eine bestimmte Datenrate erreicht wurde. Er beschreibt nicht automatisch den Zustand des gesamten Heimnetzes.

Beim WLAN gehört die Umgebung mit dazu

Bei einer Kabelverbindung endet die Leitung ziemlich eindeutig dort, wo das Kabel endet. WLAN verhält sich anders.

Funk kennt keine Grundstücksgrenze.

Im freistehenden Haus auf einem großen Grundstück fällt das oft wenig auf. In einem Reihenhaus oder Mehrfamilienhaus sieht die Umgebung völlig anders aus. Dort senden die Router und WLAN-Zugangspunkte der Nachbarn in denselben begrenzten Frequenzbereichen wie die eigenen Geräte.

Morgens ist in der Umgebung vielleicht wenig los. Abends sind deutlich mehr Geräte aktiv. Fernseher streamen, Spielekonsolen laufen, Smartphones und Tablets werden benutzt und in den Wohnungen ringsum arbeiten zahlreiche WLAN-Netze gleichzeitig.

Das bedeutet nicht, dass bei schlechtem WLAN automatisch der Nachbar schuld ist. Die Funkumgebung gehört schlicht zum System dazu.

Auch im 5-GHz-Bereich ist das eigene WLAN nicht völlig allein. Bestimmte Frequenzen werden ebenfalls von Radarsystemen genutzt. WLAN-Geräte müssen darauf reagieren und gegebenenfalls ihr Verhalten verändern.

Wer nur die Geräte im eigenen Wohnzimmer betrachtet, sieht deshalb manchmal nur einen Teil der Situation.

Zuerst muss klar sein, was eigentlich schlecht funktioniert

„Das WLAN ist schlecht“ klingt zunächst eindeutig, beschreibt aber noch kein konkretes Fehlerbild.

Der erste Schritt ist deshalb die Eingrenzung.

Interessant ist, wo das Verhalten auftritt und ob mehrere Geräte betroffen sind. Ein Laptop, der im ganzen Haus auffällig arbeitet, führt in eine andere Richtung als drei Geräte, die ausschließlich im Arbeitszimmer Schwierigkeiten haben.

Auch der Zeitpunkt sagt einiges aus. Ein Problem, das rund um die Uhr besteht, unterscheidet sich von einem Netz, das hauptsächlich am Abend unruhig wird.

Danach kommt der Aufbau des Heimnetzes ins Spiel. Welche Geräte verteilen WLAN? Wie sind diese miteinander verbunden? Welche Strecke nehmen die Daten durch das Haus? Wo gibt es Kabelverbindungen und wo wird per Funk weitergegeben?

Gerade hier stimmen Erinnerung und tatsächlicher Aufbau nicht immer überein.

Aus „Wir haben eine FritzBox und einen Repeater“ werden bei genauerem Hinsehen schnell eine FritzBox, zwei Repeater, ein Switch hinter dem Fernseher und ein älterer Router im Keller.

Keines dieser Geräte ist allein deshalb verdächtig. Zusammen bestimmen sie aber, wie sich die Verbindung verhält.

Hinzu kommt, dass wahrgenommene WLAN-Probleme ihren Ursprung nicht zwangsläufig in der Funkstrecke haben. Das Problem fällt zwar beim WLAN-Gerät auf, der eigentliche Engpass kann auf einem ganz anderen Abschnitt des Weges liegen.

Mehr Technik ist erst sinnvoll, wenn das Problem verstanden ist

Bei schlechtem WLAN ist ein neuer Gerätekauf schnell gemacht. Ein stärkerer Router, ein zusätzlicher Repeater oder gleich ein komplett neues WLAN-System versprechen eine einfache Verbesserung.

Manchmal gehört neue Technik tatsächlich zur späteren Lösung. Vorher muss aber klar sein, welches Problem damit überhaupt gelöst werden soll.

Sonst wächst das Heimnetz weiter, ohne dass die Ursache verschwindet. Am Ende stehen an mehreren Stellen neue Geräte, die WLAN-Anzeige sieht hervorragend aus und die Videokonferenz hat noch immer ihre Aussetzer.

Die sinnvollere Reihenfolge beginnt deshalb mit dem vorhandenen Netz. Erst wird das Verhalten eingegrenzt, danach der Aufbau betrachtet und anschließend geprüft, an welcher Stelle die Verbindung auffällig wird. Aus diesem Bild ergeben sich die sinnvollen Ansätze für Veränderungen.

Die WLAN-Balken sind dabei nicht falsch.

Sie sagen nur: Die Verbindung zu meinem nächsten WLAN-Zugangspunkt sieht gut aus.

Ob der gesamte Weg vom Handy durch das Heimnetz bis ins Internet genauso gut funktioniert, ist eine deutlich größere Frage.