Sicherheit
Bekommen Wechselrichter und Smart-Home-Geräte eigentlich Sicherheitsupdates?
Beim Fernseher erscheint irgendwann ein Hinweis auf eine neue Softwareversion, das Smartphone installiert regelmäßig Aktualisierungen und beim Laptop gehört der monatliche Neustart nach einem Update fast schon zum Alltag.
Beim Wechselrichter der Solaranlage sieht das anders aus.
Der hängt seit Jahren im Technikraum, liefert seine Werte an die App und erfüllt seine Aufgabe. Ob dabei regelmäßig neue Firmware installiert wird, wie lange der Hersteller das Gerät unterstützt und was passiert, wenn diese Unterstützung irgendwann endet, weiß häufig niemand so genau.
Dasselbe gilt für Batteriespeicher, Smart-Home-Zentralen, Kameras, Wallboxen und viele andere Geräte, die inzwischen selbstverständlich mit dem Heimnetz verbunden sind.
Die Hardware soll oft zehn Jahre oder länger funktionieren. Die Software darin altert trotzdem vom ersten Tag an mit.
Vernetzte Haustechnik ist immer auch ein Stück IT
Ein Wechselrichter bleibt natürlich in erster Linie Teil der Solaranlage, und eine Wallbox soll ein Auto laden. Trotzdem steckt in solchen Geräten heute Software, die Netzwerkverbindungen aufbaut, mit Apps kommuniziert und häufig Daten an Dienste des Herstellers überträgt.
Damit gelten zumindest einige der gleichen Fragen, die man auch bei klassischen Netzwerkgeräten stellt.
Wie wird die Software aktualisiert? Wer stellt diese Updates bereit? Wie lange bleibt das Produkt unterstützt? Und wie erfährt der Besitzer überhaupt, dass eine neue Version verfügbar ist?
Bei einem Smartphone sind diese Abläufe sehr sichtbar. Bei Batteriespeicher und Solaranlage im Heimnetz laufen sie häufig im Hintergrund, sofern der Hersteller automatische Updates vorgesehen hat.
Das ist bequem, macht die Pflege aber auch unsichtbar.
Solange alles funktioniert, gibt es kaum einen Anlass, nachzusehen.
Automatische Updates sind nur so lange hilfreich, wie es Updates gibt
Ein Gerät kann so eingerichtet sein, dass neue Firmware automatisch installiert wird. Das klingt zunächst nach einer vollständigen Lösung für die Pflege.
Die Automatik beantwortet allerdings nicht die Frage, wie lange der Hersteller überhaupt neue Versionen bereitstellt.
Wenn die Produktunterstützung endet, kann das Gerät weiterhin täglich nach Aktualisierungen suchen, ohne jemals wieder eine zu bekommen. Für den Besitzer sieht das Gerät trotzdem unverändert aus und arbeitet möglicherweise noch viele Jahre problemlos weiter.
Genau deshalb ist die Frage welche Geräte noch Updates erhalten bei vernetzter Haustechnik besonders schwierig.
Ein technisches Ende der Softwarepflege erzeugt normalerweise kein sichtbares Ereignis. Die Solaranlage hört nicht plötzlich auf, Strom zu produzieren, nur weil ihre Firmware keine Aktualisierungen mehr bekommt.
Hardwarefunktion und Softwarepflege können über Jahre auseinanderlaufen.
Die geplante Lebensdauer macht den Unterschied besonders groß
Bei Computern und Smartphones ist ein regelmäßiger Austausch normal. Die Geräte werden leistungsfähiger, Betriebssysteme ändern sich und nach einigen Jahren steht ohnehin ein neues Modell auf dem Schreibtisch.
Bei Haustechnik ist diese Erwartung völlig anders.
Eine Solaranlage, ein Wechselrichter oder ein Batteriespeicher soll nicht nach vier Jahren ersetzt werden, weil eine neue Produktgeneration erschienen ist. Solche Investitionen sind auf deutlich längere Zeiträume ausgelegt.
Damit entsteht zwangsläufig eine Spannung zwischen langlebiger Hardware und einer Softwarewelt, die sich wesentlich schneller verändert.
Neue Sicherheitsanforderungen, veränderte Cloud-Dienste, aktuelle Verschlüsselungsverfahren und geänderte Netzwerkstandards können innerhalb von zehn oder fünfzehn Jahren eine erhebliche Entwicklung durchlaufen.
Ein Gerät, das mechanisch und elektrisch noch hervorragend funktioniert, kann deshalb softwareseitig deutlich älter wirken.
Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Austausch notwendig ist. Es bedeutet aber, dass die Art der Einbindung mit zunehmendem Alter wichtiger wird.
Alte Geräte müssen nicht automatisch aus dem Netz verschwinden
Ein Gerät ohne aktuelle Herstellerunterstützung ist nicht zwangsläufig sofort unbrauchbar.
Gerade bei teurer Haustechnik wäre es wenig sinnvoll, allein aufgrund des Alters eine funktionierende Anlage zu ersetzen.
Die interessantere Frage lautet, welche Kommunikation das Gerät tatsächlich benötigt.
Ein Wechselrichter muss vielleicht mit einem Herstellerdienst und bestimmten lokalen Komponenten kommunizieren, benötigt aber keinen beliebigen Zugriff auf alle privaten Rechner im Haus.
Damit wird die Netzstruktur zu einem Teil der Lösung.
Wenn Geräte hauptsächlich Internetzugang benötigen, können sie unter Umständen anders behandelt werden als Laptops, NAS-Systeme oder andere Teilnehmer, die bewusst untereinander kommunizieren sollen.
Eine sinnvolle Trennung begrenzt die möglichen Auswirkungen eines älteren Geräts, ohne seine eigentliche Funktion zwangsläufig einzuschränken.
Wie weit das technisch umgesetzt werden kann, hängt vom Gerät und von der vorhandenen Netzwerktechnik ab. Manche Systeme benötigen überraschend viele lokale Verbindungen, andere praktisch nur den Weg nach draußen.
Bei Kameras wird dieses Problem besonders sichtbar
Eine IP-Kamera ist ein gutes Beispiel, weil sie häufig viele Jahre dauerhaft eingeschaltet bleibt und gleichzeitig vergleichsweise eng mit dem Netzwerk verbunden ist.
Solange das Bild verfügbar ist, besteht wenig Anlass, sich mit der Firmware zu beschäftigen. Wenn der Hersteller irgendwann keine Aktualisierungen mehr liefert, bleibt die Kamera trotzdem an der Wand und erfüllt weiterhin ihre Aufgabe.
Bei einer Kamera lässt sich intuitiv nachvollziehen, warum das relevant ist: Sie hat Netzwerkzugang, möglicherweise Mikrofon und Fernzugriff und kommuniziert teilweise mit externen Diensten.
Beim Wechselrichter wirkt dieselbe Fragestellung weniger offensichtlich, weil seine Hauptaufgabe Strom betrifft.
Technisch bleibt er trotzdem ein vernetztes Gerät.
Der Unterschied liegt also eher in unserer Wahrnehmung als in der Tatsache, dass beide Software ausführen und Netzwerkkommunikation betreiben.
Mehrere Hersteller machen die Übersicht zusätzlich schwierig
In einem modernen Haus stammt die vernetzte Technik selten aus einer Hand.
Die Solaranlage kommt von einem Hersteller, die Wallbox von einem anderen, Kameras und Smart Home wieder von anderen Anbietern. Dazu kommen Fernseher, Drucker und verschiedene Haushaltsgeräte.
Dadurch existiert kein zentraler Updateprozess.
Jeder Hersteller entscheidet selbst, wie lange ein Produkt gepflegt wird, wie Aktualisierungen verteilt werden und welche Informationen für den Besitzer verfügbar sind.
Genau deshalb kann Smart Home das Heimnetz deutlich komplexer machen, obwohl jedes einzelne System für sich relativ einfach zu bedienen ist.
Bei einer Bestandsaufnahme geht es daher auch darum, diese unterschiedlichen Systeme überhaupt sichtbar zu machen. Welche Geräte sind vorhanden, wer stellt sie her und wie sieht die Unterstützung aktuell aus?
Ohne diese Übersicht bleibt das Thema Updates vollständig den einzelnen Apps und Herstellern überlassen.
Was passiert, wenn der Hersteller irgendwann verschwindet?
Noch deutlicher wird die Abhängigkeit, wenn ein Produkt nicht nur keine Updates mehr bekommt, sondern der Hersteller selbst nicht mehr existiert oder seinen Cloud-Dienst einstellt.
Bei rein lokal arbeitenden Geräten kann das unter Umständen wenig Auswirkungen haben. Bei stark cloudabhängigen Systemen sieht die Situation anders aus.
Dann wird plötzlich sichtbar, welche Funktionen tatsächlich im Haus stattfinden und welche von Infrastruktur außerhalb des eigenen Netzes abhängig sind.
Gerade bei langlebiger Haustechnik sollte diese Abhängigkeit zumindest bekannt sein.
Niemand kann garantieren, dass ein Anbieter in fünfzehn Jahren noch denselben Dienst betreibt. Eine sinnvolle Bewertung berücksichtigt deshalb auch, wie stark grundlegende Funktionen von einem externen Dienst abhängen.
Der erste Schritt ist deshalb keine Update-Jagd
Es bringt wenig, wahllos jede App im Haus zu öffnen und nach einer Firmware-Schaltfläche zu suchen.
Zuerst braucht es eine Übersicht darüber, welche vernetzte Haustechnik überhaupt vorhanden ist und wie sie betrieben wird. Welche Geräte aktualisieren sich automatisch, bei welchen ist der Stand sichtbar und welche Hersteller nennen einen Unterstützungszeitraum?
Danach lässt sich unterscheiden, wo tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
Ein aktuell gepflegter Wechselrichter kann völlig unauffällig weiterlaufen. Bei einem Gerät ohne erkennbare Unterstützung wird dagegen interessanter, welche Kommunikation es benötigt und wie eng es mit dem übrigen Heimnetz verbunden ist.
Damit entsteht eine vernünftige Reihenfolge: Bestand kennen, Pflegezustand einordnen und erst danach über Änderungen an der Einbindung nachdenken.
Denn der Fernseher erinnert vielleicht sichtbar an sein nächstes Update.
Der Wechselrichter tut das womöglich nie – obwohl er noch viele Jahre länger mit deinem Heimnetz verbunden bleiben wird.