WLAN

Warum wird das WLAN abends plötzlich schlechter?

Morgens funktioniert das WLAN im Arbeitszimmer problemlos. Webseiten reagieren schnell, Videokonferenzen laufen ruhig und auch größere Downloads fallen nicht weiter auf. Abends sieht dieselbe Verbindung plötzlich ganz anders aus. Videos brauchen länger zum Starten, beim Spielen gibt es kurze Aussetzer oder das Smartphone fühlt sich insgesamt träger an.

Am Router wurde nichts verändert, die Möbel stehen noch an derselben Stelle und auch die Wände sind über den Tag nicht dicker geworden. Trotzdem ist das Verhalten reproduzierbar.

Gerade bei WLAN ist das keineswegs ungewöhnlich, denn die Funkverbindung arbeitet nicht in einer abgeschlossenen Umgebung. Was rund um das eigene Haus passiert, verändert sich im Laufe des Tages deutlich.

WLAN nutzt einen gemeinsam verwendeten Funkraum

Das eigene WLAN besitzt keinen exklusiven Bereich, der nur zum eigenen Grundstück gehört. Router, Access Points und Repeater in der Nachbarschaft arbeiten in denselben begrenzten Frequenzbereichen.

In einem freistehenden Haus mit viel Abstand zu den Nachbarn fällt das häufig weniger auf. In Reihenhäusern oder Mehrfamilienhäusern kann die Situation deutlich dichter werden. Dort sind vom eigenen Wohnzimmer aus schnell zahlreiche fremde WLAN-Netze sichtbar.

Morgens sind viele dieser Netze zwar technisch vorhanden, werden aber vergleichsweise wenig benutzt. Abends sieht das anders aus. Fernseher streamen, Spielekonsolen laufen, Smartphones und Tablets werden intensiver verwendet und in vielen Haushalten übertragen gleichzeitig unterschiedliche Geräte Daten.

Damit verändert sich die Funkumgebung, obwohl das eigene Netzwerk unverändert geblieben ist.

Das bedeutet nicht, dass der Nachbar automatisch für jedes schlechte WLAN verantwortlich ist. Es erklärt aber, warum bei Funk auch die Umgebung außerhalb der eigenen Grundstücksgrenze zur Betrachtung gehört.

Das eigene Heimnetz ist abends ebenfalls stärker beschäftigt

Auch innerhalb des Hauses verändert sich die Nutzung.

Während tagsüber vielleicht ein Homeoffice-Rechner und zwei Smartphones aktiv sind, laufen am Abend gleichzeitig Fernseher, Spielekonsole, Tablets, Cloud-Sicherungen und weitere Geräte. Hinzu kommen Hintergrunddienste, über die kaum jemand nachdenkt.

Ein modernes Heimnetz besteht inzwischen schnell aus mehreren Dutzend Geräten, von denen viele dauerhaft verbunden bleiben. Nicht jedes davon überträgt ständig große Datenmengen, zusammen entsteht aber eine deutlich andere Nutzung als während eines ruhigen Vormittags.

Gerade bei gemeinsam genutzten Funkstrecken wird diese Veränderung interessanter. Mehrere Endgeräte müssen sich die verfügbare Funkzeit teilen, und bei einem Netz mit mehreren WLAN-Stationen kommen zusätzliche Verbindungen zwischen diesen Geräten hinzu.

Das erklärt auch, warum mehrere Repeater abends unter anderen Bedingungen arbeiten können als zu einer Tageszeit, zu der kaum jemand im Haus Daten überträgt.

Ein guter Speedtest kann das Problem trotzdem übersehen

Auch bei abendlichen WLAN-Problemen wird schnell ein Geschwindigkeitstest gestartet. Zeigt dieser anschließend 300 oder 400 Mbit/s, scheint die Verbindung zunächst wieder unauffällig zu sein.

Das muss kein Widerspruch sein.

Ein Geschwindigkeitstest beschreibt einen relativ kurzen Zeitraum. Wenn das WLAN hauptsächlich durch Schwankungen oder kurze Unterbrechungen auffällt, kann genau diese Messung in einer ruhigen Phase stattfinden.

Für eine Videokonferenz oder ein Online-Spiel sieht die Sache anders aus. Dort reicht ein kurzer schlechter Moment, damit der Benutzer ihn sofort bemerkt.

Das ist einer der Gründe, warum sich WLAN abends subjektiv deutlich schlechter anfühlen kann, obwohl einzelne Messwerte weiterhin ordentlich aussehen.

Bei der Untersuchung ist deshalb nicht nur interessant, wie hoch die maximale Datenrate ausfällt, sondern wie gleichmäßig sich die Verbindung über längere Zeit verhält.

Die Uhrzeit ist selbst schon ein wichtiger Hinweis

Wenn ein Problem fast immer zu ähnlichen Zeiten auftritt, ist das eine wertvolle Beobachtung.

Eine Wand verändert sich nicht jeden Abend um acht Uhr. Ein Kabel ebenfalls nicht. Die Nutzung im eigenen Haus und in der Umgebung verändert sich dagegen sehr wohl.

Der erste Schritt besteht deshalb darin, dieses Muster genauer zu erfassen. Tritt die Auffälligkeit tatsächlich nur am Abend auf oder auch zu anderen Zeiten? Sind mehrere Geräte betroffen? Passiert es überall im Haus oder hauptsächlich in einem bestimmten Bereich?

Ein Problem, das im gesamten Haus gleichzeitig auftritt, führt zu einer anderen Betrachtung als ein einzelner Raum, der nur unter bestimmten Bedingungen auffällig wird.

Auch der Vergleich verschiedener Anwendungen hilft. Wenn Streaming weitgehend unauffällig bleibt, während Videokonferenzen deutlich stärker reagieren, lässt sich daraus ebenfalls etwas über die Art der Störung lernen.

Solche Zusammenhänge bringen bei der Fehlersuche deutlich mehr als die pauschale Aussage, das WLAN sei „abends langsam“.

Mehr WLAN-Technik ist nicht automatisch die erste Antwort

Wenn die Verbindung zu bestimmten Zeiten schlechter wird, liegt der Gedanke an einen zusätzlichen Repeater oder einen stärkeren Router nahe.

Bevor neue Hardware ins Netz kommt, sollte aber klar sein, welche Rolle die vorhandene Funkumgebung spielt. Mehr Funktechnik arbeitet schließlich im selben begrenzten Raum wie die bestehende Infrastruktur.

Ein zusätzlicher Zugangspunkt kann sinnvoll sein, wenn tatsächlich ein Versorgungsproblem vorliegt. Bei einem hauptsächlich zeitabhängigen Verhalten ist dagegen zuerst interessant, wie sich das vorhandene WLAN unter unterschiedlichen Bedingungen verhält.

Auch ein Mesh-System verändert die physikalischen Grundlagen des Funks nicht. Es kann mehrere WLAN-Stationen besser gemeinsam verwalten, muss aber weiterhin mit derselben Umgebung aus Nachbarn, Wänden und eigenen Endgeräten zurechtkommen.

Der erste Schritt bleibt deshalb die Beobachtung und Eingrenzung, nicht der Einkauf.

Auch im 5-GHz-Bereich ist das WLAN nicht allein

Neben anderen WLAN-Netzen gibt es noch weitere äußere Einflüsse.

Bestimmte Bereiche des 5-GHz-Bandes werden auch von Radarsystemen genutzt. WLAN-Geräte müssen solche Signale berücksichtigen und gegebenenfalls ihr Verhalten anpassen.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass WLAN kein privater Funkraum im eigenen Haus ist. Die Geräte müssen sich an Regeln halten und auf ihre Umgebung reagieren.

Solche Ereignisse erklären nicht jedes abendliche Problem, gehören aber zum Gesamtbild, wenn sich ein Netz ungewöhnlich verhält.

Gerade bei Funk lohnt sich deshalb ein breiterer Blick als nur auf Router und Endgerät.

Wenn das WLAN nur abends schlecht ist, erzählt das Netz bereits etwas

Ein zeitabhängiges Problem ist unangenehm, weil es sich tagsüber möglicherweise überhaupt nicht reproduzieren lässt. Gleichzeitig liefert genau dieses Muster einen wichtigen Hinweis.

Wenn morgens alles stabil läuft und abends regelmäßig Schwierigkeiten auftreten, verändert sich offensichtlich etwas zwischen diesen beiden Situationen.

Das kann die Nutzung im eigenen Haushalt sein, die Funkumgebung der Nachbarschaft oder das Zusammenspiel beider Faktoren.

Der erste Schritt ist deshalb nicht, wahllos Einstellungen zu verändern, sondern die Unterschiede zwischen den guten und schlechten Zeiträumen sichtbar zu machen.

Denn beim WLAN endet die Ursache nicht zwangsläufig an der eigenen Wand.

Manchmal beginnt die interessante Betrachtung genau dort.