WLAN

Das WLAN ist schnell, aber ständig gibt es kurze Aussetzer

Ein Geschwindigkeitstest zeigt 400 oder 500 Mbit/s, Webseiten laden normalerweise schnell und große Downloads sind ebenfalls kein Problem. Trotzdem friert während einer Videokonferenz alle paar Minuten das Bild ein, beim Spielen gibt es kurze Unterbrechungen oder das Smartphone braucht plötzlich einen Moment, bevor überhaupt wieder etwas passiert.

Wenige Sekunden später läuft alles normal weiter.

Solche Fehler sind besonders lästig, weil das Netzwerk die meiste Zeit völlig in Ordnung wirkt. Wer genau in einer guten Phase misst, bekommt hervorragende Werte und findet zunächst keinen Hinweis darauf, warum die Verbindung im Alltag trotzdem unzuverlässig erscheint.

Geschwindigkeit und Stabilität sind eben zwei verschiedene Eigenschaften einer Verbindung.

Ein kurzer Aussetzer verschwindet leicht in einem guten Durchschnitt

Viele Netzwerkprobleme wären einfacher zu finden, wenn eine Verbindung entweder funktioniert oder vollständig ausfällt. In der Praxis gibt es aber zahlreiche Zwischenzustände.

Eine Verbindung kann über mehrere Minuten sehr schnell arbeiten und anschließend für einen kurzen Moment deutlich schlechter werden. Bei einem großen Download fällt das möglicherweise kaum auf, weil die Übertragung danach einfach weiterläuft. Auch ein Streaming-Dienst kann kleinere Unterbrechungen durch bereits vorgeladene Daten überbrücken.

Bei einem Live-Gespräch sieht dieselbe Situation anders aus. Wenn Sprache und Bild in diesem Moment übertragen werden müssen, wird ein kurzer Fehler sofort hörbar oder sichtbar.

Genau deshalb sagt ein guter Geschwindigkeitstest wenig darüber aus, ob während der vergangenen Stunde immer wieder kurze Störungen aufgetreten sind. Er beschreibt einen begrenzten Zeitraum und kann einen Fehler problemlos verpassen, der nur alle paar Minuten für sehr kurze Zeit erscheint.

Das macht diese Art von Problem deutlich schwieriger zu beurteilen als eine dauerhaft langsame Verbindung.

Entscheidend ist das Muster, nicht nur der einzelne Aussetzer

Bei solchen Störungen interessiert mich zuerst, ob sich ein Muster erkennen lässt.

Tritt der Aussetzer nur an einem bestimmten Ort auf oder im ganzen Haus? Sind mehrere Geräte gleichzeitig betroffen? Passiert es überwiegend abends oder völlig unabhängig von der Uhrzeit? Fällt die Verbindung bei Videokonferenzen und Spielen auf, während Streaming kaum Probleme zeigt?

Diese Beobachtungen sagen deutlich mehr als die Aussage „Das WLAN setzt manchmal aus“.

Wenn mehrere Geräte im gleichen Raum gleichzeitig betroffen sind, liegt eine andere Ausgangslage vor als bei einem einzelnen Laptop, der sich im ganzen Haus auffällig verhält. Treten die Probleme überall gleichzeitig auf, rückt wiederum der gemeinsame Teil des Netzwerks stärker in den Mittelpunkt.

Auch ein regelmäßig notwendiger Neustart des Routers oder anderer Netzwerkgeräte ist dabei eine interessante Beobachtung. Wenn das Netz danach für einige Zeit wieder unauffällig arbeitet, verschwindet zwar das Symptom, aber noch nicht die Ursache.

Der erste Schritt besteht deshalb darin, das Verhalten möglichst genau zu beschreiben, bevor Einstellungen verändert oder Geräte ersetzt werden.

WLAN kann schnell sein und trotzdem schwanken

Bei Funkverbindungen kommt hinzu, dass sich die Bedingungen ständig verändern können.

Ein Kabel liegt normalerweise ruhig in der Wand. WLAN teilt sich dagegen seinen Übertragungsraum mit anderen Funknetzen und Geräten. Die Umgebung ist morgens nicht zwangsläufig dieselbe wie am Abend, wenn in den Häusern ringsum deutlich mehr WLAN genutzt wird.

Gerade in dichter Bebauung gehört deshalb auch die Umgebung außerhalb des eigenen Grundstücks zur Betrachtung.

Ein Netz kann unter günstigen Bedingungen hohe Datenraten erreichen und trotzdem empfindlich auf Veränderungen reagieren. Das erklärt, warum eine Messung am Nachmittag hervorragend aussieht, während dieselbe Verbindung am Abend unruhiger wird.

Hinzu kommen die Wege innerhalb des eigenen Hauses. Wände, Decken und die Position der WLAN-Zugangspunkte beeinflussen, wie stabil eine Verbindung an einem bestimmten Ort arbeitet.

Deshalb ist ein großer Unterschied zwischen zwei benachbarten Räumen keineswegs ungewöhnlich, obwohl die Entfernung zum Router nur wenige Meter auseinanderliegt.

Mehrere WLAN-Stationen machen die Sache nicht automatisch eindeutiger

In größeren Häusern arbeiten häufig mehrere Repeater oder Zugangspunkte zusammen. Damit lässt sich die Funkversorgung deutlich verbessern, gleichzeitig entstehen aber auch mehrere mögliche Verbindungen für die Endgeräte.

Ein Smartphone bewegt sich beispielsweise durch das Haus und bleibt eine Zeit lang mit seinem bisherigen Zugangspunkt verbunden, obwohl bereits ein anderer näher liegt. Ein zweites Gerät entscheidet an derselben Stelle anders.

Bei mehreren Repeatern oder einem Mesh-System entsteht deshalb ein Zusammenspiel zwischen Netzwerk und Endgerät, das von außen nicht immer sofort nachvollziehbar ist.

Auch die Verbindung der WLAN-Stationen untereinander spielt eine Rolle. Ein Zugangspunkt kann ein hervorragendes Signal anbieten, während sein eigener Weg zum restlichen Netz weniger stabil arbeitet.

Das Ergebnis sieht für den Benutzer wieder genauso aus: gute WLAN-Anzeige, hohe Geschwindigkeit in einzelnen Messungen und trotzdem gelegentliche Aussetzer.

Auch hinter dem Funk kann die Ursache liegen

Bei kurzen Unterbrechungen sollte deshalb nicht automatisch ausschließlich auf das WLAN geschaut werden.

Ein drahtlos verbundenes Gerät benutzt nach seiner Funkstrecke weitere Teile des Heimnetzes. Netzwerkleitungen, Switches, Router und schließlich der Internetanschluss gehören ebenfalls zum Übertragungsweg.

Ein Kabelproblem hinter einem WLAN-Zugangspunkt kann sich am Smartphone nahezu genauso äußern wie eine Störung des Funks selbst.

Genau deshalb bringt eine schnelle Änderung irgendwelcher WLAN-Einstellungen wenig, solange noch nicht klar ist, auf welchem Abschnitt der Verbindung die Unterbrechung überhaupt entsteht.

Die Untersuchung folgt besser dem tatsächlichen Weg der Daten und vergleicht verschiedene Geräte und Verbindungsarten miteinander. Dadurch lässt sich der betroffene Bereich Schritt für Schritt eingrenzen.

Eine hohe Geschwindigkeit ist trotzdem eine gute Nachricht

Wenn ein WLAN regelmäßig mehrere hundert Megabit pro Sekunde erreicht, zeigt das zumindest, dass unter passenden Bedingungen eine leistungsfähige Verbindung möglich ist.

Das schließt kurze Störungen aber nicht aus.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht nur, wie schnell das WLAN in seinem besten Moment wird, sondern wie zuverlässig es über längere Zeit arbeitet. Für viele Anwendungen ist genau diese Zuverlässigkeit wichtiger als der höchste Wert, der irgendwann auf einem Bildschirm erscheint.

Wer regelmäßig kurze Aussetzer erlebt, braucht deshalb nicht zwingend noch mehr Geschwindigkeit.

Zuerst muss klar werden, wann die Verbindung ihre Stabilität verliert und welcher Abschnitt des Heimnetzes daran beteiligt ist.

Denn ein WLAN kann ausgesprochen schnell sein und sich im Alltag trotzdem schlecht anfühlen.