Glasfaser

Glasfaser im Keller und dann

Der Glasfaseranschluss ist fertig, die Leitung endet im Keller und dort stehen plötzlich mehrere hundert oder sogar 1.000 Mbit/s zur Verfügung. Damit ist der Ausbau des Anbieters abgeschlossen, für das eigene Haus beginnt an diesem Punkt aber erst die eigentlich interessante Frage: Und wie kommt die Verbindung jetzt vernünftig in die Räume, in denen sie gebraucht wird?

Genau dieser zweite Teil wird bei der Bestellung häufig unterschätzt. Die Glasfaser bringt schnelles Internet bis zur Anschlusstechnik, ersetzt aber weder das WLAN im Obergeschoss noch die Netzwerkverbindung zum Homeoffice. Wände, Decken, vorhandene Leitungen und die bisherige Netzstruktur bleiben nach der Freischaltung exakt dieselben.

Deshalb lohnt es sich, nach einem Glasfaseranschluss im Keller nicht sofort zusätzliche Hardware zu kaufen, sondern zunächst den Weg durch das Haus zu betrachten.

Zuerst muss klar sein, wo die Verbindung gebraucht wird

Ein Haus muss nicht überall dieselbe Netzwerkleistung bieten. Im Wohnzimmer stehen vielleicht Fernseher und Spielekonsole, im Dachgeschoss befindet sich ein Homeoffice und im Keller hängen Wechselrichter oder andere technische Geräte.

Diese Bereiche haben unterschiedliche Anforderungen. Ein Arbeitsplatz mit Videokonferenzen und VPN braucht vor allem eine dauerhaft stabile Verbindung, während für ein Smartphone im Schlafzimmer häufig schon deutlich weniger Bandbreite genügt.

Darum beginnt die sinnvolle Verteilung nicht mit der Frage, welcher Repeater gekauft werden soll. Zuerst sollte klar sein, welche Bereiche wichtig sind und welche Technik dort tatsächlich genutzt wird.

Gibt es bereits Netzwerkleitungen?

Wenn im Haus bereits LAN-Kabel liegen, ist das häufig der erste interessante Punkt. Gerade ältere Häuser besitzen manchmal Netzwerkdosen, über deren Verlauf und Zustand kaum noch jemand etwas weiß.

Eine vorhandene Netzwerkverkabelung kann auch mit Glasfaser weiter wertvoll sein, wenn die Strecken technisch in Ordnung sind und an geeigneten Stellen enden. Dann lässt sich die Verbindung aus dem Keller möglicherweise kabelgebunden in andere Etagen bringen.

Damit kann auch WLAN gezielter dort bereitgestellt werden, wo es benötigt wird, statt zu versuchen, das komplette Gebäude von einem einzigen Router aus zu versorgen.

Bevor zusätzliche Funktechnik angeschafft wird, lohnt sich deshalb eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Leitungen.

Wenn keine Kabel liegen, wird das Gebäude entscheidend

In vielen Bestandsgebäuden existiert allerdings keine strukturierte Netzwerkverkabelung. Dann muss die Verbindung auf anderem Weg vom Keller in die Wohnbereiche gelangen.

WLAN-Repeater oder Powerline kommen dabei schnell ins Gespräch, beide sind aber stark von den Bedingungen des jeweiligen Hauses abhängig. Funk muss durch Wände und Decken, während Powerline die Elektroinstallation für die Datenübertragung nutzt.

Deshalb kann eine Lösung, die im Nachbarhaus hervorragend funktioniert, im eigenen Gebäude deutlich schlechter abschneiden. Gerade Glasfaser im Altbau ohne Netzwerkkabel lässt sich nicht sinnvoll mit einer pauschalen Produktempfehlung beantworten.

Der Router im Keller muss nicht automatisch umziehen

Eine häufige Reaktion besteht darin, den Router möglichst aus dem Keller herauszubringen. Das kann in manchen Häusern sinnvoll sein, ist aber nicht automatisch notwendig.

Für die zentrale Netzwerktechnik kann der Keller ein sehr guter Standort sein. Leitungen laufen dort zusammen, Technik stört im Wohnbereich nicht und der Glasfaseranschluss liegt ohnehin in unmittelbarer Nähe.

Problematisch wird es erst, wenn derselbe Router zusätzlich allein für die komplette WLAN-Versorgung des Hauses verantwortlich sein soll. WLAN aus dem Keller über mehrere Etagen stößt je nach Gebäude schnell an Grenzen.

Deshalb sollte zwischen der Position des Routers und der Position der WLAN-Versorgung unterschieden werden.

Ein schneller Anschluss verändert die alten Grenzen im Haus nicht

Vielleicht hat das bestehende WLAN mit dem alten DSL-Anschluss jahrelang völlig ausreichend gewirkt. Wenn damals 50 Mbit/s ins Haus kamen, fiel kaum auf, ob eine interne Strecke maximal 100 oder 150 Mbit/s übertragen konnte.

Mit Gigabit-Glasfaser sieht dieselbe Verbindung plötzlich langsam aus, obwohl sich im Haus nichts verschlechtert hat. Der neue Anschluss macht lediglich sichtbar, wo die Grenze innerhalb des Heimnetzes liegt.

Genau deshalb ist Glasfaser schnell und WLAN langsam kein Widerspruch. Beide Aussagen können gleichzeitig richtig sein.

Nach der Glasfaserinstallation beginnt deshalb die Hausverteilung

Der sinnvolle nächste Schritt besteht darin, das vorhandene Heimnetz zu verstehen. Wo steht der Router, welche Leitungen gibt es bereits, welche Etagen müssen versorgt werden und welche Bereiche sind besonders wichtig?

Erst danach wird interessant, ob vorhandenes LAN genutzt werden kann, WLAN anders verteilt werden sollte oder eine andere Verbindung zwischen den Etagen benötigt wird.

Wenn die Glasfaser bei dir bereits im Keller liegt und du jetzt vor der Frage stehst, wie sie vernünftig in Wohnzimmer, Homeoffice oder Obergeschoss gelangt, kann ich mir beim Heimnetzwerk-Check genau diese vorhandenen Wege ansehen. Der Glasfaseranschluss ist dann bereits erledigt – jetzt geht es darum, was im eigenen Haus dahinter passiert.