Glasfaser

Glasfaser und vorhandene Netzwerkdosen: Kann ich die alten LAN-Anschlüsse weiter nutzen?

Der Glasfaseranschluss ist neu, im Haus gibt es aber bereits Netzwerkdosen, die vielleicht zehn oder fünfzehn Jahre zuvor installiert wurden. Dann stellt sich schnell die Frage, ob diese vorhandene Verkabelung für den neuen Anschluss überhaupt noch brauchbar ist oder ob mit Glasfaser automatisch auch das interne Netzwerk erneuert werden muss.

Pauschal lässt sich das nicht anhand des Alters beantworten. Eine vorhandene Netzwerkverkabelung kann auch nach vielen Jahren noch eine sehr gute Grundlage sein, während eine optisch moderne Installation an einzelnen Stellen Grenzen haben kann. Entscheidend ist deshalb weniger, wann die Dosen montiert wurden, sondern wie die komplette Strecke aufgebaut ist und welche Leistung sie tatsächlich zuverlässig übertragen kann.

Gerade weil Kabel hinter Wänden verschwinden, wird ihr Zustand im Alltag kaum wahrgenommen. Solange Internet verfügbar ist, wirkt die Sache erledigt; erst mit einem deutlich schnelleren Glasfaseranschluss werden vorhandene Grenzen überhaupt sichtbar.

Der Glasfaseranschluss ersetzt die Hausverkabelung nicht

Glasfaser bringt die Verbindung bis zum Haus beziehungsweise zur dort installierten Anschlusstechnik. Von diesem Punkt aus muss das eigene Heimnetz die Daten weiter in die einzelnen Räume transportieren.

Wenn bereits LAN-Leitungen vorhanden sind, können sie dabei eine wichtige Rolle spielen, denn sie wurden ausdrücklich für die Datenübertragung verlegt und verbinden möglicherweise Keller, Wohnzimmer, Arbeitszimmer oder Obergeschoss miteinander.

Der neue Glasfaseranschluss macht diese Leitungen nicht automatisch veraltet.

Im Gegenteil: Gerade wenn der Router beziehungsweise die zentrale Technik im Keller sitzt, kann eine vorhandene kabelgebundene Infrastruktur eine wertvolle Grundlage für die Verteilung im Haus sein. Ob sie dafür tatsächlich geeignet ist, lässt sich allerdings erst beurteilen, wenn klar ist, wie sie aufgebaut wurde.

Genau deshalb ist eine vorhandene Netzwerkdose zunächst eine gute Nachricht, aber noch keine vollständige Aussage über die Strecke dahinter.

Die sichtbare Dose sagt wenig über das Kabel in der Wand

Eine Netzwerkdose im Arbeitszimmer verrät zunächst nur, dass dort irgendwann eine Leitung vorgesehen wurde. Wohin diese Leitung führt, wie sie angeschlossen ist und welche weiteren Komponenten auf dem Weg liegen, lässt sich von außen kaum erkennen.

Bei einer sauberen Installation laufen die Leitungen vielleicht zentral im Keller auf einem Patchfeld zusammen. In anderen Häusern wurden über die Jahre zusätzliche Strecken ergänzt, Leitungen verlängert oder kleine Switches zwischengeschaltet, die heute kaum noch jemand bewusst wahrnimmt.

Gerade nach einem Hauskauf oder mehreren Umbauten ist deshalb manchmal überhaupt nicht mehr bekannt, wie das vorhandene LAN tatsächlich strukturiert ist.

Bevor vorhandene Netzwerkdosen für die Glasfaserverteilung genutzt werden, lohnt sich daher zuerst eine Zuordnung der Leitungswege. Welche Dose endet wo, welche Netzwerkgeräte liegen dazwischen und welche Strecke gehört tatsächlich zu welchem Raum?

Ohne diese Übersicht wird schnell eine vorhandene Infrastruktur beurteilt, deren Aufbau man noch gar nicht kennt.

„Da liegt CAT-Kabel“ beantwortet die Frage noch nicht vollständig

Auf Netzwerkleitungen oder in alten Bauunterlagen finden sich häufig Angaben zur Kabelkategorie, aus denen dann direkt auf eine bestimmte Geschwindigkeit geschlossen wird.

Diese Information ist wichtig, beschreibt aber nicht die gesamte fertige Verbindung.

Zur Strecke gehören ebenso die Anschlüsse an beiden Enden, Patchfelder, Patchkabel und aktive Netzwerkgeräte. Auch die Qualität der ursprünglichen Installation spielt eine Rolle. Deshalb kann eine grundsätzlich geeignete Leitung ihre Möglichkeiten nur dann vollständig nutzen, wenn die gesamte Strecke entsprechend aufgebaut ist.

Genau darum geht es bei der Frage, warum ein Netzwerkkabel nicht automatisch Gigabit bedeutet.

Das heißt nicht, dass jede ältere Installation problematisch wäre. Viele vorhandene Leitungen funktionieren auch nach vielen Jahren hervorragend. Sie sollten nur anhand ihrer tatsächlichen Leistung beurteilt werden und nicht ausschließlich anhand der Aufschrift eines Kabels oder des Baujahrs des Hauses.

Glasfaser macht bisher unsichtbare Grenzen sichtbar

Mit einem alten DSL-Anschluss von 50 oder 100 Mbit/s war es möglicherweise völlig egal, ob die interne LAN-Strecke deutlich mehr konnte. Solange sie schneller war als der Internetanschluss, bestand für den Benutzer kein erkennbarer Engpass.

Nach dem Wechsel auf 500 oder 1.000 Mbit/s Glasfaser sieht das anders aus.

Plötzlich kann eine bisher unauffällige interne Strecke zum langsameren Teil werden, obwohl an ihr seit Jahren nichts verändert wurde. Das führt manchmal zu dem Eindruck, dass die alte Verkabelung durch Glasfaser „schlechter geworden“ sei.

Tatsächlich hat sich nur die Vergleichsgröße verändert.

Der neue Anschluss macht sichtbar, was die interne Strecke schon vorher leisten konnte. Genau derselbe Effekt tritt bei Gigabit-Glasfaser mit deutlich weniger Geschwindigkeit am Endgerät auf.

Bestehendes LAN kann auch für gutes WLAN interessant sein

Vorhandene Netzwerkdosen sind nicht nur für Rechner, Fernseher oder NAS-Systeme interessant. Sie können auch eine Rolle bei der WLAN-Versorgung spielen, insbesondere wenn der Glasfaseranschluss im Keller sitzt und mehrere Etagen versorgt werden sollen.

Ein Access Point unterscheidet sich von einem klassischen Repeater unter anderem dadurch, dass seine Verbindung zum restlichen Netzwerk normalerweise über LAN erfolgt. Damit muss die Strecke zwischen den Etagen nicht zusätzlich über Funk transportiert werden.

Ob eine vorhandene Netzwerkdose dafür an einer sinnvollen Position liegt, ist allerdings eine andere Frage. Eine Dose hinter dem Fernseher in einer Ecke des Raums kann technisch hervorragend funktionieren und trotzdem kein idealer Standort für die Funkversorgung des gesamten Stockwerks sein.

Gerade deshalb sollte das vorhandene LAN nicht isoliert betrachtet werden. Entscheidend ist, wie es mit dem Grundriss und den tatsächlichen Anforderungen des Hauses zusammenspielt.

Auch alte Switches können die Strecke beeinflussen

Manchmal sind die Leitungen selbst völlig in Ordnung, während ein anderes Gerät auf dem Weg die Leistung begrenzt.

In einem Netzwerkschrank oder Technikraum arbeitet möglicherweise seit vielen Jahren derselbe Switch. Das war für den früheren Internetanschluss problemlos ausreichend, fällt mit einem schnelleren Glasfaseranschluss aber erstmals auf.

Deshalb gehört bei einer Bestandsaufnahme nicht nur die Verkabelung zur Betrachtung, sondern auch die aktive Technik dazwischen.

Ein Netzwerkschrank, der seit Jahren niemanden interessiert hat, kann beim Glasfaserwechsel plötzlich wieder relevant werden, obwohl er technisch weiterhin genau das tut, was er immer getan hat.

Der gesamte Weg vom Router bis zur Netzwerkdose entscheidet darüber, welche Leistung am Ende zur Verfügung steht.

Nicht jede Dose muss Gigabit liefern, um weiterhin sinnvoll zu sein

Auch hier sollte nicht automatisch das Ziel entstehen, jede einzelne vorhandene Netzwerkdose auf die maximale Glasfasergeschwindigkeit zu bringen.

Ein Fernseher oder eine Kamera benötigt deutlich weniger Bandbreite als ein Arbeitsplatz mit großen Dateiübertragungen. Eine Strecke, die für einen bestimmten Zweck vollkommen ausreichend ist, muss nicht allein deshalb ersetzt werden, weil der Anschluss im Keller theoretisch deutlich mehr liefern kann.

Wichtig ist vielmehr, die vorhandenen Leitungen nach ihrer tatsächlichen Aufgabe zu beurteilen.

Vielleicht ist die Dose im Wohnzimmer für Streaming weiterhin mehr als ausreichend, während die Verbindung zum Homeoffice genauer betrachtet werden sollte. An einer anderen Stelle wird eine Leitung vor allem für einen WLAN-Zugangspunkt interessant und muss deshalb andere Anforderungen erfüllen.

Das Heimnetz muss nicht überall maximal schnell sein; es sollte an den wichtigen Stellen zuverlässig und passend zur Nutzung funktionieren.

Vor einer Neuverkabelung lohnt sich deshalb immer die Bestandsaufnahme

Wenn ein Haus bereits über Netzwerkdosen verfügt, würde ich nach einem Glasfaserwechsel nicht automatisch davon ausgehen, dass alles neu verkabelt werden muss. Ebenso wenig sollte eine alte Installation ungeprüft als vollständig geeignet betrachtet werden.

Der sinnvolle Anfang besteht darin, die vorhandenen Strecken zu erfassen, ihre Endpunkte zuzuordnen und zu prüfen, welche Leistung sie tatsächlich zuverlässig übertragen. Erst danach lässt sich erkennen, welche Teile problemlos weiter genutzt werden können und wo eventuell eine Grenze besteht.

Wenn du bereits Netzwerkdosen im Haus hast und nach dem Glasfaserausbau nicht weißt, ob diese Infrastruktur für die neue Geschwindigkeit sinnvoll nutzbar ist, kann ich mir beim Heimnetzwerk-Check die vorhandenen Leitungen und den gesamten Aufbau vor Ort ansehen.

Denn eine Netzwerkdose, die schon seit fünfzehn Jahren in der Wand sitzt, kann heute noch ausgesprochen wertvoll sein.

Man sollte nur wissen, was tatsächlich dahinterliegt.