Glasfaser
Glasfaser schnell, WLAN langsam – wo liegt das Problem?
Der Glasfaseranschluss ist geschaltet, direkt am Router zeigt der Geschwindigkeitstest sehr gute Werte und trotzdem fühlt sich das Internet im restlichen Haus kaum schneller an als vorher. Im Wohnzimmer funktioniert alles ordentlich, im Obergeschoss sinkt die Geschwindigkeit deutlich und ausgerechnet im Homeoffice treten weiterhin kurze Aussetzer auf, obwohl am Anschluss selbst mehrere hundert oder sogar 1.000 Mbit/s zur Verfügung stehen.
Gerade nach einem Glasfaserwechsel wirkt das zunächst so, als würde irgendwo ein erheblicher Teil der gebuchten Leistung verloren gehen. Tatsächlich muss man aber zwei unterschiedliche Bereiche voneinander trennen: Der Anbieter bringt die Verbindung bis zum Haus beziehungsweise bis zur Anschlusstechnik, während anschließend das eigene Heimnetz dafür verantwortlich ist, diese Verbindung bis zu den Geräten in den verschiedenen Räumen weiterzugeben.
Wenn die Glasfaser schnell und das WLAN langsam ist, beginnt die interessante Suche deshalb meistens erst hinter dem Anschluss.
Der Glasfaseranschluss ist nur der Anfang des Weges
Bei einem Geschwindigkeitstest direkt am Router wird im Wesentlichen geprüft, welche Leistung an einer sehr günstigen Stelle zur Verfügung steht. Der Weg zwischen Anschluss und Messgerät ist kurz, störende Funkstrecken spielen kaum eine Rolle und zusätzliche Netzwerkkomponenten liegen möglicherweise überhaupt nicht dazwischen.
Beim Smartphone im Obergeschoss sieht die Situation völlig anders aus. Seine Daten müssen zunächst über WLAN zu einem Zugangspunkt gelangen und von dort weiter durch das Heimnetz bis zum Router. Je nach Aufbau kommen Repeater, Switches, Netzwerkleitungen, Powerline oder mehrere dieser Techniken nacheinander hinzu.
Damit entsteht ein Weg aus mehreren Abschnitten, von denen jeder eigene Grenzen haben kann. Die Glasfaser selbst kann dabei vollkommen unauffällig arbeiten, während die eigentliche Begrenzung erst im Haus entsteht.
Genau deshalb ist die Situation 1.000 Mbit/s Glasfaser und nur ein Bruchteil davon im WLAN keineswegs ungewöhnlich. Der hohe Wert am Anschluss und der deutlich niedrigere Wert am Endgerät beschreiben zwei unterschiedliche Strecken.
WLAN arbeitet unter völlig anderen Bedingungen als Glasfaser
Eine Glasfaserleitung transportiert Daten in einem dafür vorgesehenen Medium. WLAN verwendet dagegen Funk und muss sich mit Wänden, Decken, Baumaterialien, anderen Funknetzen und den Eigenschaften des jeweiligen Endgeräts auseinandersetzen.
Ein neuer Glasfaseranschluss verändert an diesen Bedingungen nichts.
Wenn der Router im Keller steht, muss das WLAN weiterhin durch die Kellerdecke und möglicherweise weitere Geschosse bis zum Arbeitszimmer gelangen. Wenn zwischen Router und Schlafzimmer zwei massive Wände liegen, bleiben diese auch nach der Glasfaserfreischaltung bestehen.
Das erklärt, warum ein Router im Keller für den Anschluss selbst völlig sinnvoll stehen kann und trotzdem keine gute Ausgangslage für die alleinige WLAN-Versorgung des gesamten Hauses bietet.
Gerade bei mehreren Etagen wird deshalb schnell sichtbar, dass die Frage nach der Internetgeschwindigkeit und die Frage nach der WLAN-Versorgung getrennt betrachtet werden müssen.
Volle WLAN-Balken bedeuten nicht automatisch eine schnelle Verbindung
Besonders verwirrend wird die Situation, wenn das Smartphone im problematischen Raum vollen oder nahezu vollen WLAN-Empfang anzeigt. Dann scheint die Funkverbindung zunächst aus dem Verdacht zu fallen.
Die Anzeige beschreibt allerdings hauptsächlich die Verbindung zum nächsten WLAN-Zugangspunkt. Das kann der Router sein, aber genauso ein Repeater oder ein anderer Zugangspunkt im Haus.
Wenn das Smartphone direkt neben einem Repeater liegt, ist diese eine Funkstrecke möglicherweise hervorragend. Der Repeater selbst muss seine Daten aber ebenfalls zum restlichen Heimnetz transportieren, und genau dort kann eine deutlich schlechtere Verbindung liegen.
Deshalb können volle WLAN-Balken und langsames Internet gleichzeitig völlig korrekt sein.
Für die Beurteilung zählt nicht nur der letzte Abschnitt zum Endgerät, sondern der komplette Weg zurück bis zum Glasfaseranschluss.
Repeater machen den Weg länger und manchmal schwerer durchschaubar
In vielen Häusern wurde das WLAN über Jahre erweitert. Zuerst reichte der Router für das Erdgeschoss, später kam ein Repeater für das Obergeschoss dazu und irgendwann noch ein weiterer für das Arbeitszimmer oder die Terrasse.
Damit entsteht eine Infrastruktur, die grundsätzlich gut funktionieren kann, deren Übertragungswege aber deutlich komplexer werden.
Ein Gerät kann mit einem Repeater verbunden sein, der wiederum über einen anderen Funkweg zum Router kommuniziert. In einem anderen Raum hängt der Zugangspunkt vielleicht per LAN am Switch. Für den Benutzer sehen beide Verbindungen einfach nach WLAN aus, technisch unterscheiden sie sich aber erheblich.
Gerade bei mehreren Repeatern im Haus reicht deshalb die Frage nach der Signalstärke kaum aus. Interessanter ist, wie die einzelnen Stationen selbst angebunden sind und welche Strecke das Endgerät tatsächlich benutzt.
Je mehr Zwischenstationen beteiligt sind, desto wichtiger wird ein nachvollziehbarer Aufbau.
Vorhandene Netzwerkleitungen können ein entscheidender Hinweis sein
Wenn bereits LAN-Verkabelung im Haus vorhanden ist, lohnt sich ein genauer Blick darauf, bevor weitere Funktechnik ergänzt wird. Eine vorhandene Leitung kann eine sehr gute Grundlage sein, muss aber ebenfalls als komplette Strecke betrachtet werden.
Die sichtbare Netzwerkdose sagt noch nicht, wohin das Kabel führt, welche Komponenten dazwischenliegen und welche Leistung die Verbindung tatsächlich stabil übertragen kann.
Gerade in Häusern, die über viele Jahre verändert wurden, kann eine Leitung über ein altes Patchfeld oder einen älteren Switch laufen, ohne dass diese Struktur heute noch vollständig bekannt ist.
Das bedeutet nicht, dass vorhandenes LAN problematisch wäre. Im Gegenteil, häufig ist es sehr wertvoll. Man sollte nur wissen, was man tatsächlich vor sich hat.
Powerline kann ebenfalls zum langsameren Abschnitt werden
Fehlen Netzwerkleitungen, wird die Verbindung zwischen Etagen häufig über Powerline aufgebaut. Auch das kann in einem bestimmten Haus gut funktionieren, nur gelten dort andere Bedingungen als bei klassischem LAN oder WLAN.
Die Daten laufen über die Strominstallation, deren Aufbau, Stromkreise und angeschlossene Verbraucher Einfluss auf die Verbindung nehmen können. Deshalb sagt die Zahl auf dem Adapter wenig darüber aus, welche Datenrate an einer bestimmten Steckdose tatsächlich dauerhaft nutzbar ist.
Gerade bei Powerline hinter einem Glasfaseranschluss wird dieser Unterschied sichtbar. Vorher war die interne Strecke vielleicht schneller als der alte DSL-Anschluss und damit völlig ausreichend. Nach dem Wechsel auf Gigabit-Glasfaser wird dieselbe Powerline-Verbindung plötzlich zum langsameren Teil des Gesamtsystems.
Die Glasfaser hat dabei kein neues Problem verursacht. Sie hat lediglich sichtbar gemacht, wo die interne Grenze bereits vorher lag.
Nicht jede niedrigere WLAN-Geschwindigkeit ist automatisch ein Problem
Bei einem Gigabit-Anschluss entsteht schnell die Erwartung, dass möglichst jedes Gerät im Haus ebenfalls nahe an 1.000 Mbit/s kommen sollte. Für viele Anwendungen ist das allerdings gar nicht notwendig.
Ein Fernseher, ein Smartphone oder eine Kamera braucht nur einen Bruchteil dieser Bandbreite. Selbst im Homeoffice ist eine gleichmäßige, zuverlässige Verbindung häufig wichtiger als der höchste erreichbare Spitzenwert.
Deshalb sollte nicht allein die Differenz zwischen 1.000 Mbit/s am Router und beispielsweise 250 Mbit/s im Wohnzimmer bewertet werden. Entscheidend ist, ob die vorhandene Verbindung dort zuverlässig funktioniert und zur tatsächlichen Nutzung passt.
Anders sieht es aus, wenn die Geschwindigkeit stark schwankt, Videokonferenzen regelmäßig aussetzen oder ein Arbeitsplatz deutlich weniger erreicht als für seine Nutzung nötig wäre. Dann wird die Suche nach dem begrenzenden Abschnitt sinnvoll.
Der erste Schritt ist deshalb der tatsächliche Netzwerkweg
Wenn Glasfaser schnell und WLAN langsam ist, hilft ein weiterer Speedtest allein oft nur begrenzt. Interessanter ist zunächst, welchen Weg das betroffene Gerät überhaupt benutzt.
Steht der Router im Keller? Gibt es Repeater oder Access Points? Werden einzelne Etagen über LAN oder Powerline angebunden? Nutzen andere Geräte am selben Ort dieselbe Strecke und verhalten sie sich ähnlich?
Erst aus diesen Zusammenhängen lässt sich eingrenzen, an welcher Stelle die Verbindung tatsächlich begrenzt wird.
Genau deshalb beginne ich bei solchen Problemen nicht mit dem Austausch eines Routers oder dem Kauf des nächsten Repeaters, sondern mit dem vorhandenen Aufbau. Wenn bei dir am Glasfaseranschluss hervorragende Werte anliegen, in den wichtigen Räumen aber nur ein kleiner Teil davon nutzbar ist, kann ich mir bei einem Heimnetzwerk-Check ansehen, welche Strecke die Daten im Haus tatsächlich nehmen.
Denn wenn die Glasfaser schnell und das WLAN langsam ist, liegt die entscheidende Frage meistens nicht mehr beim Anbieter, sondern irgendwo zwischen Router und Endgerät.