Heimnetzwerk-Check

Was passiert eigentlich bei einem Heimnetzwerk-Check?

Wenn das WLAN im Arbeitszimmer regelmäßig aussetzt, liegt der erste Verdacht meistens ziemlich schnell fest. Der Router ist zu schwach, der Repeater steht falsch oder der Internetanbieter liefert nicht das, was versprochen wurde. Häufig wurde zu diesem Zeitpunkt bereits einiges ausprobiert: Geräte wurden neu gestartet, Repeater umgesteckt, Geschwindigkeitstests durchgeführt oder sogar neue Hardware gekauft.

Bei einem Heimnetzwerk-Check beginne ich deshalb nicht damit, die nächste Einstellung zu verändern. Zuerst möchte ich verstehen, wie das vorhandene Netz überhaupt aufgebaut ist und was der Kunde mit „Das Internet funktioniert nicht richtig“ konkret meint.

Denn hinter diesem Satz können sehr unterschiedliche Probleme stecken.

Am Anfang steht das tatsächliche Fehlerbild

„Das WLAN ist langsam“ ist zunächst eine Beobachtung, aber noch keine Diagnose. Interessant wird es erst, wenn man genauer hinschaut: Betrifft das Problem das ganze Haus oder nur bestimmte Räume? Sind mehrere Geräte betroffen oder immer derselbe Laptop? Gibt es dauerhafte Schwierigkeiten oder treten sie nur gelegentlich auf? Funktioniert normales Surfen, während Videokonferenzen oder Spiele Probleme machen?

Diese Unterschiede sind wichtig, weil sie die weitere Suche in unterschiedliche Richtungen führen.

Wenn drei Geräte im gleichen Raum gleichzeitig auffällig werden, sieht die Ausgangslage anders aus als bei einem einzelnen Notebook, das sich überall im Haus schlecht verhält. Wenn ein Problem hauptsächlich abends auftritt, gehört auch die Funkumgebung außerhalb des eigenen Grundstücks zur Betrachtung. Und wenn ein Geschwindigkeitstest sehr gute Werte zeigt, die Verbindung im Alltag aber trotzdem unzuverlässig wirkt, ist die reine Bandbreite offensichtlich nicht die ganze Geschichte.

Der erste Teil eines Checks besteht deshalb vor allem darin, aus einer allgemeinen Beschwerde ein möglichst genaues Fehlerbild zu machen.

Danach interessiert mich der Aufbau des Netzes

Viele Menschen wissen ziemlich genau, welches Routermodell sie besitzen. Deutlich schwieriger wird die Frage, was zwischen diesem Router und den Geräten im Haus eigentlich alles passiert.

Da gibt es vielleicht zwei Repeater, einen Switch hinter dem Fernseher, Netzwerkdosen in mehreren Räumen und noch einen älteren Router im Keller, der irgendwann einmal für einen bestimmten Zweck eingerichtet wurde. Dazu kommen Fernseher, Drucker, Kameras, Spielekonsolen, Smartphones, Tablets und inzwischen häufig auch vernetzte Haustechnik.

Die tatsächliche Zahl der Geräte im Heimnetz überrascht dabei gelegentlich. Aus gefühlten zehn Geräten werden schnell dreißig oder mehr, sobald man nicht nur Computer und Handys zählt.

Das ist zunächst weder gut noch schlecht. Ein modernes Heimnetz darf groß sein. Für die Fehlersuche muss nur klar sein, welche Komponenten vorhanden sind und welche Rolle sie spielen.

Deshalb geht es bei der Bestandsaufnahme auch um die Wege im Netzwerk. Welche Geräte sind per Kabel verbunden, welche über WLAN? Wo gibt es Übergänge zwischen verschiedenen Bereichen? Welche Komponenten verteilen das WLAN und wie gelangen sie selbst zum restlichen Netz?

Erst wenn dieser Aufbau sichtbar ist, lässt sich sinnvoll darüber sprechen, an welcher Stelle ein Problem entsteht.

WLAN wird nicht nur im eigenen Haus betrachtet

Bei WLAN reicht es nicht, Router und Repeater anzusehen und anschließend die Balken auf dem Smartphone zu zählen.

Funk arbeitet in einer Umgebung, die man sich mit anderen teilt. Die WLAN-Netze aus den Nachbarhäusern sind technisch getrennte Netze, bewegen sich aber trotzdem in denselben begrenzten Frequenzbereichen. Gerade in Reihenhäusern und Mehrfamilienhäusern kann die Situation außerhalb der eigenen vier Wände deshalb eine Rolle spielen.

Hinzu kommen die Eigenschaften des Gebäudes selbst. Wände, Decken und unterschiedliche Baumaterialien beeinflussen die Funkverbindung. Ein WLAN-Zugangspunkt, der auf einem Grundriss scheinbar gut platziert ist, muss deshalb nicht automatisch jeden Bereich vernünftig versorgen.

Bei der Betrachtung geht es darum, das tatsächliche Verhalten zu verstehen. Wo ist die Funkversorgung gut, wo verändert sie sich deutlich und wie passt das zu den gemeldeten Problemen?

Dabei zeigt sich manchmal auch, dass die wahrgenommenen WLAN-Probleme gar nicht im Funk entstehen. Ein Gerät kann eine hervorragende WLAN-Verbindung haben und trotzdem Schwierigkeiten bekommen, wenn der weitere Weg durch das Heimnetz auffällig ist.

Auch Kabel und unscheinbare Geräte gehören dazu

Ein Heimnetzwerk-Check endet deshalb nicht beim WLAN.

Vorhandene Netzwerkverkabelung gehört genauso zum Gesamtbild. Gerade in Häusern mit älteren Installationen oder nachträglich verlegten Leitungen ist nicht immer klar, welche Dose wohin führt und wie die einzelnen Strecken aufgebaut sind.

Auch kleine Netzwerkgeräte geraten leicht aus dem Blick. Ein Switch arbeitet vielleicht jahrelang hinter einem Schrank, ohne dass jemand darüber nachdenkt. Solange alles funktioniert, gibt es dafür auch keinen Grund. Bei einem Fehler ist er aber Teil des Übertragungswegs und damit relevant.

Das gleiche gilt für Geräte, die zunächst gar nicht als Netzwerktechnik wahrgenommen werden. Ein Batteriespeicher, eine Kamera oder eine Smart-Home-Zentrale nutzt ebenfalls das Heimnetz und gehört deshalb zumindest in die Übersicht.

Ziel ist nicht, jedes angeschlossene Gerät zum Verdächtigen zu erklären. Es geht darum, das Netzwerk vollständig genug zu verstehen, damit die Fehlersuche nicht an einer unsichtbaren Stelle endet.

Ein Heimnetz hat heute mehrere Aufgaben gleichzeitig

Früher musste das private Netzwerk vor allem Internet für ein paar Computer bereitstellen. Inzwischen läuft darüber deutlich mehr.

Im Wohnzimmer wird gestreamt, die Kinder spielen online, Smartphones sichern Bilder in die Cloud und gleichzeitig findet im Arbeitszimmer eine Videokonferenz statt. Dazu kommen Geräte, die rund um die Uhr mit dem Netz verbunden bleiben.

Besonders interessant wird das beim Homeoffice. Der Firmenlaptop nutzt zwar eine geschützte Verbindung zum Unternehmen, steht aber zunächst im gleichen heimischen Umfeld wie private Rechner, Unterhaltungselektronik und vernetzte Haustechnik.

Bei einem Check spielt deshalb neben Geschwindigkeit und Reichweite auch die Frage eine Rolle, welche Anforderungen ein Haushalt an sein Netzwerk stellt. Ein Haus mit zwei Smartphones und einem Fernseher braucht etwas anderes als ein Haushalt mit mehreren Homeoffice-Arbeitsplätzen, Kameras, Solartechnik und einer großen Zahl weiterer Geräte.

Erst nach der Bestandsaufnahme kommen Veränderungen

Wenn Aufbau und Fehlerbild klarer sind, beginnt die eigentliche Bewertung. Dann lässt sich beurteilen, welche Teile des vorhandenen Netzes gut funktionieren, an welchen Stellen tatsächlich Schwächen sichtbar werden und welche Maßnahmen grundsätzlich in Frage kommen.

Das kann eine andere Platzierung vorhandener Technik betreffen, eine bessere Nutzung vorhandener Verkabelung, eine veränderte Funkversorgung oder eine klarere Struktur zwischen unterschiedlichen Geräten. In anderen Fällen zeigt die Untersuchung, dass die vermutete Ursache überhaupt nicht dort liegt, wo vorher gesucht wurde.

Genau deshalb halte ich wenig davon, einen Heimnetzwerk-Check mit einer fertigen Einkaufsliste zu beginnen.

Manchmal wird am Ende neue Hardware benötigt. Manchmal reicht ein anderer Aufbau mit vorhandenen Geräten. Und gelegentlich stellt sich heraus, dass ein vermeintliches WLAN-Problem seinen Ursprung an einer ganz anderen Stelle hat.

Der interessante Teil ist deshalb nicht, möglichst viele Einzeltests durchzuführen. Entscheidend ist, aus den Beobachtungen ein verständliches Gesamtbild zu machen.

Denn erst wenn klar ist, wie das Heimnetz tatsächlich funktioniert, lässt sich vernünftig entscheiden, was daran überhaupt verändert werden sollte.