Glasfaser

Glasfaser im Keller, Homeoffice im Dachgeschoss – warum ist das Internet oben trotzdem langsam?

Der Glasfaseranschluss im Keller liefert die gebuchten 500 oder 1.000 Mbit/s, der Geschwindigkeitstest direkt am Router sieht hervorragend aus und trotzdem stockt die Videokonferenz im Homeoffice unter dem Dach. Webseiten reagieren manchmal verzögert, große Downloads bleiben deutlich unter der erwarteten Geschwindigkeit und zwischendurch verliert das VPN für einen kurzen Moment die Verbindung.

Gerade nach einem Glasfaserwechsel wirkt das zunächst widersprüchlich, weil der Anschluss selbst offensichtlich schnell genug ist. Tatsächlich endet die Glasfaser aber dort, wo das eigene Heimnetz beginnt, und zwischen dem Router im Keller und dem Arbeitsplatz zwei oder drei Etagen höher können mehrere Übertragungswege liegen, die mit der Geschwindigkeit des eigentlichen Anschlusses nur noch indirekt zu tun haben.

Deshalb ist bei diesem Fehlerbild weniger interessant, was der Glasfasertarif auf dem Papier verspricht, sondern welchen Weg die Daten bis zum Homeoffice tatsächlich nehmen.

Der Keller ist für Glasfaser sinnvoll, für das Homeoffice aber weit entfernt

Dass der Glasfaseranschluss im Keller oder Hauswirtschaftsraum sitzt, ist zunächst völlig normal. Dort kommt die Leitung ins Gebäude, dort lässt sich die Netzwerktechnik ordentlich unterbringen und häufig laufen ohnehin weitere Leitungen zusammen.

Für den Arbeitsplatz unter dem Dach bedeutet dieser Standort allerdings, dass die Verbindung mehrere Etagen überwinden muss. Erfolgt das ausschließlich per WLAN, liegen dazwischen möglicherweise massive Decken, Fußbodenheizungen, Wände und andere Bauteile, die den Funk deutlich stärker beeinflussen als die reine Entfernung vermuten lässt.

Ein Router kann deshalb im Keller hervorragend funktionieren und trotzdem keine gute Grundlage für die direkte Funkversorgung des Dachgeschosses sein. Genau darum geht es auch beim Router im Keller mit schlechtem WLAN in den oberen Etagen.

Der neue Glasfaseranschluss verändert diese baulichen Bedingungen nicht. Er stellt lediglich deutlich mehr Bandbreite am Ausgangspunkt zur Verfügung.

Die Verbindung kann unterwegs mehrmals die Technik wechseln

In vielen Häusern führt der Weg zum Homeoffice nicht einfach nur vom Router per WLAN zum Laptop. Vielleicht steht im Erdgeschoss ein Repeater, im Obergeschoss ein weiterer, während das Dachgeschoss über ein Mesh-Gerät versorgt wird. In einem anderen Haus läuft ein Teil der Strecke über Powerline oder eine vorhandene Netzwerkleitung.

Für den Benutzer sieht das trotzdem wie eine einzige Internetverbindung aus.

Technisch bestehen aber mehrere Abschnitte mit unterschiedlichen Eigenschaften, wobei der langsamste oder instabilste Teil den gesamten Weg beeinflusst. Ein Laptop kann beispielsweise einen sehr guten WLAN-Empfang zum nächstgelegenen Repeater haben, obwohl dieser Repeater selbst nur eine mäßige Verbindung zum restlichen Netz besitzt.

Deshalb sagen volle WLAN-Balken im Dachgeschoss noch wenig darüber aus, wie gut die komplette Strecke bis zum Glasfaseranschluss im Keller arbeitet.

Gerade bei einem über Jahre gewachsenen Heimnetz muss zunächst nachvollzogen werden, welche Geräte überhaupt beteiligt sind und welchen Weg die Daten tatsächlich nehmen.

Homeoffice zeigt Schwächen, die beim Streaming kaum auffallen

Ein weiteres Problem ist die Art der Nutzung. Ein Fernseher kann im Wohnzimmer stundenlang problemlos streamen, obwohl das Netzwerk gelegentlich kurze Schwankungen zeigt, weil Streaming-Dienste Daten im Voraus laden und kleine Unterbrechungen dadurch weitgehend verstecken können.

Bei Videokonferenzen sieht das anders aus. Sprache und Bild müssen in diesem Moment übertragen werden, weshalb schon kurze Störungen sofort auffallen. Auch VPN-Verbindungen und andere interaktive Anwendungen reagieren auf eine unruhige Verbindung deutlich empfindlicher als ein normaler Download.

Genau deshalb kann Netflix problemlos funktionieren, während die Videokonferenz ruckelt, obwohl beide Anwendungen denselben Internetanschluss verwenden.

Für das Homeoffice ist daher nicht nur interessant, welche maximale Geschwindigkeit ankommt, sondern wie zuverlässig sich die Verbindung über mehrere Stunden verhält. Ein einzelner sehr guter Speedtest am Morgen sagt darüber nur begrenzt etwas aus.

Ein Speedtest zeigt den Ort der Begrenzung nicht automatisch

Wenn im Keller 950 Mbit/s und unter dem Dach nur 120 Mbit/s gemessen werden, steht zunächst lediglich fest, dass sich die Verbindung zwischen diesen beiden Punkten verändert. Wo genau das passiert, lässt sich aus den beiden Zahlen allein nicht ablesen.

Der Unterschied kann auf einer Funkstrecke entstehen, an einem Repeater, auf einer Powerline-Verbindung, an einer älteren Netzwerkkomponente oder am Endgerät selbst. Auch mehrere kleinere Begrenzungen können sich auf dem gesamten Weg summieren.

Deshalb sollte ein Geschwindigkeitstest immer im Zusammenhang mit dem jeweiligen Netzwerkweg betrachtet werden. Interessant ist nicht nur der Wert, sondern auch, welche Technik zwischen Messgerät und Router liegt.

Gerade bei Glasfaser führt die hohe Ausgangsgeschwindigkeit sonst schnell dazu, dass alles unterhalb von Gigabit automatisch als Problem wahrgenommen wird, obwohl die eigentliche Frage lauten sollte, ob die Verbindung im Homeoffice zuverlässig und für die tägliche Arbeit ausreichend leistungsfähig ist.

Vorhandene Netzwerkleitungen können ein wichtiger Hinweis sein

Wenn zwischen Keller und Dachgeschoss bereits Netzwerkleitungen vorhanden sind, verändert sich die Ausgangslage erheblich. Dann existiert möglicherweise ein Übertragungsweg, der nicht durch mehrere Funkstrecken führen muss.

Das bedeutet allerdings nicht, dass jede vorhandene Dose automatisch eine perfekte Lösung darstellt. Zuerst muss geklärt werden, wo die Leitungen enden, wie sie aufgebaut sind und welche Netzwerkgeräte dazwischenliegen.

Eine Netzwerkdose ist nur das sichtbare Ende einer kompletten Strecke, deren tatsächliche Qualität erst im Zusammenhang mit dem restlichen Netz interessant wird.

Gerade bei älteren Häusern ist außerdem nicht immer bekannt, welche Kabel überhaupt vorhanden sind oder ob sie ursprünglich für eine andere Nutzung vorgesehen wurden. Deshalb lohnt sich eine Bestandsaufnahme, bevor weitere Funktechnik ergänzt wird.

Fehlen Kabel, werden Repeater und Powerline schnell interessant

In vielen Bestandsgebäuden gibt es allerdings keine direkte Netzwerkleitung bis ins Dachgeschoss. Dann kommen automatisch andere Möglichkeiten ins Spiel, und genau hier wird die Entscheidung oft schwieriger.

Ein Repeater nutzt Funk für die Verbindung zum restlichen Netz, während Powerline die vorhandene Elektroinstallation als Datenstrecke verwendet. Beide Ansätze können funktionieren, reagieren aber auf völlig unterschiedliche Bedingungen im Haus.

Beim Repeater spielen Funkwege, Decken und Positionierung eine große Rolle. Bei Powerline wird die elektrische Installation zum Bestandteil der Netzwerkverbindung, sodass Stromkreise, Leitungswege und andere elektrische Verbraucher Einfluss nehmen können.

Deshalb lässt sich aus der Ferne kaum seriös sagen, welche Variante im konkreten Haus besser funktioniert. Der Grundriss, vorhandene Leitungen und die reale Nutzung des Homeoffice sind dafür wesentlich wichtiger als eine pauschale Produktempfehlung.

Der Firmenlaptop bringt zusätzlich die Sicherheitsfrage mit

Der Arbeitsplatz im Dachgeschoss ist häufig nicht nur ein privater Rechner, sondern ein vom Arbeitgeber verwalteter Laptop, der über VPN auf Unternehmenssysteme zugreift.

Damit steht dieses Gerät zunächst im privaten Heimnetz, gemeinsam mit Fernsehern, Spielekonsolen, Kameras, Smart-Home-Geräten oder vernetzter Haustechnik. Die VPN-Verbindung schützt den vorgesehenen Weg zum Unternehmen, verändert aber nicht automatisch die Struktur des Netzes davor.

Genau deshalb ist das Firmen-VPN hinter dem Heimnetz ein eigener Punkt, der bei dauerhaftem Homeoffice zumindest mitgedacht werden sollte.

Wenn ohnehin untersucht wird, warum die Verbindung unter dem Dach unzuverlässig ist, bietet sich daher ein Blick auf den gesamten Arbeitsplatz an: Wie ist er angebunden, welche Geräte teilen sich die Infrastruktur und welche Teile des Netzes wurden ursprünglich nie für regelmäßige Arbeit geplant?

Der erste Schritt ist der tatsächliche Weg vom Keller bis zum Schreibtisch

Bei einem langsamen oder unzuverlässigen Homeoffice im Dachgeschoss hilft es wenig, direkt einen stärkeren Router oder den nächsten Repeater zu kaufen. Zuerst muss klar sein, welche Strecke die Daten heute nehmen und an welcher Stelle sich das Verhalten verändert.

Dazu gehören der Router im Keller, vorhandene Switches oder Netzwerkleitungen, Repeater beziehungsweise Mesh-Geräte, Powerline und schließlich das Endgerät selbst. Erst wenn diese Struktur bekannt ist, lässt sich sinnvoll beurteilen, welcher Bereich genauer untersucht werden sollte.

Wenn dein Glasfaseranschluss im Keller hervorragende Werte liefert, der Arbeitstag unter dem Dach aber trotzdem regelmäßig durch WLAN- oder VPN-Probleme gestört wird, kann ich mir beim Heimnetzwerk-Check genau diese Strecke vor Ort ansehen.

Denn die Glasfaser ist möglicherweise längst schnell genug.

Die eigentliche Frage lautet, was auf den zwei oder drei Etagen dazwischen passiert.