WLAN

WLAN trotz schnellem Internet langsam – woran liegt das?

Der Internetanschluss wurde auf 500 oder sogar 1.000 Mbit/s erweitert, direkt am Router sieht der Geschwindigkeitstest hervorragend aus und trotzdem fühlt sich das WLAN im Arbeitszimmer kaum schneller an als vorher. Im Wohnzimmer läuft alles ordentlich, eine Etage höher kommen deutlich weniger Daten an und auf der Terrasse ist von der gebuchten Geschwindigkeit nur noch ein kleiner Teil übrig.

Dann liegt der Verdacht nahe, dass der neue Tarif nicht hält, was er verspricht.

Dabei können gleichzeitig zwei völlig richtige Dinge passieren: Der Internetanschluss liefert seine vereinbarte Leistung und das WLAN im Haus begrenzt trotzdem, was am einzelnen Gerät tatsächlich ankommt.

Der Anschluss endet schließlich nicht direkt am Laptop. Zwischen beiden liegt das Heimnetz.

Internetgeschwindigkeit und WLAN-Geschwindigkeit sind nicht dasselbe

Wenn der Anbieter von 500 Mbit/s spricht, beschreibt diese Zahl zunächst die Verbindung bis zum Internetanschluss im Haus. Danach müssen die Daten noch vom Router zum jeweiligen Endgerät gelangen.

Bei einem Rechner, der direkt per Netzwerkkabel am Router angeschlossen ist, ist dieser interne Weg vergleichsweise einfach. Ein Smartphone im Obergeschoss benutzt dagegen WLAN, vielleicht einen Repeater und eventuell noch weitere Komponenten, bevor die Daten überhaupt beim Router ankommen.

Damit entstehen zwei verschiedene Strecken.

Der Internetanbieter kann seine 500 Mbit/s bis zum Haus liefern, während die interne Verbindung zum Schlafzimmer deutlich weniger schafft. Der neue Tarif funktioniert dann genau wie vorgesehen, nur das vorhandene Heimnetz wurde dadurch nicht automatisch schneller.

Gerade nach einem Wechsel auf Glasfaser wird dieser Unterschied häufig zum ersten Mal deutlich. Der alte Anschluss war möglicherweise langsamer als das Heimnetz und hat dessen Grenzen verdeckt. Mit der höheren Bandbreite verschiebt sich der Engpass plötzlich ins Haus.

Ein schnellerer Anschluss verändert keine Wände

WLAN bleibt Funk, egal ob dahinter 50 oder 1.000 Mbit/s Internet liegen.

Eine Stahlbetondecke wird durch Glasfaser nicht durchlässiger, der Standort des Routers verändert sich nicht und auch ein ungünstig platzierter Repeater bekommt durch den neuen Tarif keine bessere Verbindung zum restlichen Netz.

Deshalb kann das WLAN nach einem Anschlusswechsel exakt dieselbe Reichweite und dieselben Schwachstellen haben wie vorher.

Das erklärt auch, warum WLAN in einem Raum sehr gut und direkt daneben deutlich schlechter funktionieren kann. Die Entfernung zum Router ist nur ein Teil der Verbindung. Wände, Decken, Baumaterialien und die konkrete Position spielen ebenfalls mit hinein.

Wer vorher beispielsweise einen 50-Mbit/s-Anschluss hatte und im Arbeitszimmer 70 Mbit/s über WLAN erreichen konnte, hatte dort praktisch keinen sichtbaren Flaschenhals. Nach dem Wechsel auf 500 Mbit/s bleiben an derselben Stelle vielleicht weiterhin ungefähr 70 Mbit/s übrig.

Das WLAN ist dadurch nicht schlechter geworden. Die Grenze war vorher nur weniger relevant.

Auch Repeater können die Leistung begrenzen

Ein Repeater wird häufig eingesetzt, um einen weiter entfernten Bereich des Hauses zu versorgen. Das kann gut funktionieren, bedeutet aber, dass die Daten zusätzliche Strecken zurücklegen müssen.

Entscheidend ist nicht nur die Verbindung zwischen Laptop und Repeater. Der Repeater selbst muss ebenfalls vernünftig an das restliche Heimnetz angebunden sein.

Deshalb können volle WLAN-Balken gleichzeitig mit einer deutlich geringeren Datenrate auftreten. Der Laptop erreicht seinen unmittelbaren Zugangspunkt hervorragend, der weitere Weg bleibt trotzdem begrenzt.

Bei mehreren Repeatern wird diese Struktur noch interessanter. Je nachdem, wie die Geräte miteinander verbunden sind, können Endgeräte im selben Haus sehr unterschiedliche Wege zum Router nehmen.

Der schnellere Internetanschluss ändert an diesen Wegen zunächst nichts.

Nicht jedes Gerät braucht die volle Anschlussgeschwindigkeit

Bei der Bewertung lohnt sich allerdings auch die Gegenfrage: Muss das Smartphone im Schlafzimmer überhaupt 1.000 Mbit/s erreichen?

Für normales Surfen, Streaming oder viele Smart-Home-Anwendungen ist eine deutlich geringere Datenrate vollkommen ausreichend. Ein WLAN ist deshalb nicht automatisch schlecht, nur weil am entferntesten Punkt des Hauses nicht die komplette Glasfasergeschwindigkeit gemessen wird.

Interessanter ist, ob die Verbindung zur tatsächlichen Nutzung passt.

Ein Arbeitsplatz, an dem regelmäßig große Datenmengen übertragen werden, hat andere Anforderungen als ein Fernseher oder eine smarte Steckdose. Bei Videokonferenzen ist wiederum eine gleichmäßige Verbindung wichtiger als ein besonders hoher Spitzenwert.

Genau deshalb darf ein Geschwindigkeitstest nicht zur einzigen Bewertung des Heimnetzes werden. Eine Zahl sagt etwas über die Datenrate aus, aber wenig darüber, ob die Verbindung über Stunden zuverlässig arbeitet.

Das Ziel muss also nicht „überall maximal schnell“ sein. Sinnvoller ist „dort schnell und stabil genug, wo es tatsächlich gebraucht wird“.

Auch LAN kann zum langsameren Abschnitt werden

WLAN bekommt bei Geschwindigkeitsproblemen schnell die gesamte Aufmerksamkeit. Dabei können auch kabelgebundene Abschnitte Grenzen setzen.

Ein Access Point im Obergeschoss ist vielleicht hervorragend positioniert und bietet ein starkes WLAN. Wenn seine Verbindung zum restlichen Netz aber über eine ältere oder auffällige Kabelstrecke läuft, kann die Gesamtleistung trotzdem begrenzt sein.

Dass eine vorhandene Netzwerkleitung nicht automatisch die erwartete Geschwindigkeit liefert, zeigt sich häufig erst, wenn ein schnellerer Internetanschluss oder modernere Netzwerkgeräte vorhanden sind.

Vorher war die interne Grenze schlicht höher als die Geschwindigkeit des Anschlusses und damit unsichtbar.

Bei der Fehlersuche gehört deshalb immer der gesamte Weg dazu: vom Endgerät über WLAN oder LAN, durch die Netzwerkgeräte des Hauses bis zum Router und erst danach ins Internet.

Die Funkumgebung bleibt ebenfalls dieselbe

Ein weiterer Punkt wird durch einen neuen Internetanschluss überhaupt nicht beeinflusst: die WLAN-Netze rundherum.

In einem Mehrfamilienhaus oder einer Reihenhaussiedlung teilen sich zahlreiche Router und Access Points den verfügbaren Funkraum. Diese Umgebung verändert sich über den Tag und kann dazu führen, dass sich die WLAN-Verbindung am Abend anders verhält als morgens.

Ein schnellerer Tarif schafft deshalb keine zusätzlichen Funkfrequenzen.

Gerade bei WLAN, das abends regelmäßig schlechter wird, lohnt sich der Blick über die eigenen vier Wände hinaus. Der Internetanschluss kann dabei völlig unauffällig arbeiten, während sich die Bedingungen im Funknetz verändern.

Auch hier zeigt sich wieder, wie unabhängig beide Bereiche voneinander sind.

Der erste Schritt ist deshalb die Trennung beider Strecken

Wenn ein schneller Anschluss vorhanden ist und das WLAN trotzdem langsam wirkt, muss zuerst geklärt werden, welcher Teil der Verbindung tatsächlich begrenzt.

Dazu gehört der Vergleich verschiedener Stellen und Übertragungswege im Haus. Wie verhält sich die Verbindung direkt am Router, wie an einem kabelgebundenen Arbeitsplatz und wie in den betroffenen WLAN-Bereichen? Nutzen die Geräte Repeater, Access Points oder andere Zwischenstationen?

Aus diesen Unterschieden ergibt sich wesentlich mehr als aus der pauschalen Aussage, dass „von den 500 Mbit/s oben nur 80 ankommen“.

Danach lässt sich beurteilen, ob überhaupt ein Problem vorliegt oder ob die vorhandene Leistung für den jeweiligen Bereich bereits völlig ausreichend ist. Wenn tatsächlich ein Engpass besteht, wird außerdem klarer, an welcher Stelle Veränderungen sinnvoll ansetzen können.

Ein schnellerer Internetanschluss ist also durchaus wertvoll.

Er macht aber nur die Verbindung bis zum Haus schneller. Wie gut diese Leistung anschließend durch Wände, Decken, Kabel und WLAN bis zum jeweiligen Gerät gelangt, entscheidet weiterhin das Heimnetz.